
Winterschlussverkauf
Aus dem Pool der Zivis werden sie nicht mehr schöpfen können
Durch die Verkürzung der Zivildienstdauer müssen Heime umdenken
SILLENBUCH
Für die Bewohner im Sillenbucher Pflegeheim ist die verkürzte Dienstdauer nicht so schlimm, denn bereits seit fünf Jahren hat die Seniorenresidenz keine festen Zivis mehr im Haus. Anders dagegen sieht es in der Organisation des Heimes aus, dessen Träger der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) jährlich 80 Zivis in der Zentrale in Feuerbach geschult hat. "In diesem Jahr waren es aber nur 40", erklärt Heimleiterin Birgit Haas. Für kurzfristige Einsätze, wie Fahrdienste oder Begleitung von Senioren zum Arzt oder Einkaufen, konnte das Heim in der Zentrale anrufen und die jungen Helfer anfordern. "Wenn dieser Pool an Zivis wegfällt, können wir auf niemanden mehr zurückgreifen", sagt Pflegedienstleiterin Uschi Koch. "Der war immer unserer Sicherheit." Viele der Bewohner haben zwar Angehörige, aber andere eben nicht. Um diese haben sich dann die Zivis gekümmert.
So setzt Haas schon länger vermehrt auf junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren, und natürlich auf ihre Auszubildenden. "Viele der FSJler gehen später auch in den Beruf", sagt sie. Bei den sechs Monaten bekomme man ja kaum einen Einblick. "In das halbe Jahr fällt die Schulung, Urlaubstage und eventuell Krankheit, da sind sie vielleicht mal vier Monate im Einsatz."Auch die Heimfürsprecher Ludwig Richter und Hannelore Lindenberger haben schon gute Erfahrung mit den FSJlern gemacht. "Eineinhalb Jahre hat mich eine junge Frau betreut und das Verhältnis war sehr gut", erzählt die Heimbewohnerin.
110 Einheiten mit betreutem Wohnen und 40 Pflegeheim-Bewohner, davon 70 Prozent dement, sind in der Seniorenresidenz untergebracht. 23 Mitarbeiter, ein FSJler und zwei Schüler betreuen all diese täglich nicht nur in der Pflege, sondern auch in der Freizeitgestaltung, Ergotherapie und sonstigen Aktivitäten wie Ausflüge. "Gerade wegen der hohen Zahl der dement Erkrankten sind uns Beständigkeit und Bezugspersonen über einen längeren Zeitraum sehr wichtig."
Der Gedanke, zukünftig auch Fahrdienste und spontane Einsätze mit den Senioren unternehmen zu müssen, löst bei der Pflegedienstleiterin nur ein Schulterzucken aus. "Wahrscheinlich werden wir auf das Personal ausweichen müssen,", sagt Koch. Doch zusätzliche Kapazitäten sind beim Personal, das in drei Schichten arbeitet, kaum frei. Alternativen zum Zivi müsse man sich laut Haas überlegen. "Mehr FSJler, mehr Ehrenamtliche oder mehr Personal bräuchten wir zukünftig, doch ob das alles genehmigt wird, wissen wir jetzt noch nicht." Schließlich stimmen bislang nach außen hin die Zahlen.
Lidija Lenic
26.08.2010 - aktualisiert: 26.08.2010 13:22 Uhr
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