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Stirbt der "Zivi" aus?
Freiwilliges Soziales Jahr auf dem Vormarsch
Wenn die Wehrpflicht für junge Männer demnächst ausgesetzt wird wie es die geplante Bundeswehrreform vorsieht, dürfte es auch die Zivildienstleistenden nicht mehr geben. Ist das Freiwillige Soziale Jahr die Alternative? Ein klares Ja dazu kommt von der Filderklinik in Bonlanden.
"Etwa acht Freiwillige beschäftigen wir derzeit allein auf unserer Pflegestation", sagt Martin Höfflin, Leiter des Pflegedienstes an der Filderklinik "und demnächst werden wir auf zwölf aufstocken". Höfflins Einschätzungen zufolge werde das Freiwillige Soziale Jahr sogar in Zukunft den Zivildienstleistenden ersetzen.
Das Freiwillige Soziale Jahr ist ein sozialer Freiwilligendienst in Deutschland für Jugendliche und junge Erwachsene, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt und das 27.
Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Im Bereich der Evangelischen Kirche wird es auch als Diakonisches Jahr bezeichnet. Die Filderklinik arbeitet mit dem Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg zusammen.
Darüber hinaus, so Martin Höfflin weiter, sei das Freiwillige Soziale Jahr für Jugendliche auch eine Chance für die Reifung ihrer Persönlichkeit. "Viele junge Menschen erleben diese Zeit ganz bewusst und stoßen dabei auf die Grundfragen des Lebens, die natürlich auch das Sterben beinhalten. Freud und Leid liegen hier eng beieinander."
In der Filderklinik begegnen die FSJler einem breiten Spektrum an Patienten und sind in nahezu sämtliche pflegerische und administrative Abläufe des Krankenhauses im Rahmen eines Stationspflegeteams eingebunden. Hierzu zählen Patientenbegleitung, Grundpflege, Hilfestellung beim Essen, Unterstützung der Pflegefachkräfte im Früh-, Spät- oder Nachdienst, auch mal beim Verbandswechsel assistieren und vieles mehr. Dabei sind die Jugendlichen in alle Abläufe auf der Pflegestation integriert und erfüllen wertvolle, soziale und zwischenmenschliche Aufgaben. "Wir beschäftigen die jungen Menschen aber grundsätzlich erst ab dem 18. Lebensjahr", sagt der Pflegedienstleiter, "gerade, weil die Jugendlichen mit den Gegebenheiten in der Pflege emotional klar kommen müssen."
Margarethe Wenzel ist seit September 2009 als FSJlerin an der Filderklinik und hat von ihrer Tätigkeit einerseits Positives, andererseits Ernsteres zu berichten: "Ich habe in diesem Jahr so einiges für mich persönlich mitnehmen können und dabei natürlich auch sehr viel über mich selbst erfahren. Zunächst wurde die 19-Jährige der Inneren Station zugeteilt, später wollte sie noch weitere Erfahrungen sammeln und wechselte in die Onkologie. "Am meisten hat mich betroffen gemacht, dass es eben auch junge Menschen gibt, die sehr krank sind", verrät sie.
Gleichzeitig habe es sie auch sehr bewegt, Menschen in ihren letzten Stunden zu begleiten und ihnen dabei eine Stütze sein zu dürfen. Und sie will weitermachen: Im kommenden Jahr beginnt sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester in der Krankenpflegeschule an der Filderklinik.
26.08.2010 - aktualisiert: 26.08.2010 14:05 Uhr