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Das Tellerhafte naht heran


Friedrichsbau Varieté wagt den Spagat hin zum Surrealen
 

Manch einer der Varieté-Fans mag sich verwundert die Augen reiben, wenn er den Dreiakter "Morgensterne", der seit Freitag in der Rotunde Einzug gehalten hat, konsumiert. Eine ungewohnte, geradezu bizarre Szenerie hat Regisseur Ralph Sun auf die Bühne gezaubert, dessen Geschehen sich um das Werk des Nonsense-Lyrikers und Dadaisten Christian Morgenstern dreht. Im Fokus steht die Sängerin und Performancekünstlerin Annika Krump, die in die Rolle von Morgensterns ideeller Muse Palma Kunkel schlüpft.

Wenn sie mit schräg-schriller Stimme das Gedicht "Das Tellerhafte naht heran mein Leben zu versüßen" zum Erklingen bringt, richtet sich der Blick wie von selbst auf die kunstvoll gesteckte Tellerminenfrisur und den grellen Hosenanzug mit den tellerhaften Applikationen rund um die Waden. Man muss sich schon einlassen auf das "Komische, Groteske und Burleske" - oder vielmehr "Unsinnliche, Sinnliche und Übersinnliche" -, das sich in der rund zweistündigen Show manifestiert.

Allein die drei Bühnenbilder stehen für die Experimentierfreude des Regisseurs: von der verspielten Landschaft mit bunten Bauklötzen über eine futuristisch-geometrische Szenerie hin zu surrealen Holzobjekten à la Dali. Befremdlich und aufwühlend ist das Spiel mit den Stäben des Avantgarde-Jongleurs Jochen Schell. Das Eigenleben der zwölf Stäbe mutiert zu einem maschinengleichen Wesen, das aus der fernen Zukunft stammen könnte. Leider wurde das Ganze von den Technikern mit zu viel Licht bedacht, so dass der Akteur in seiner schwarzen Kluft recht deutlich zu sehen war.

Natürlich gab es auch Klassisches aus dem Varieté-Genre: Das russische Duo Nostalgia am Trapez, die Antipodenkünstlerin Natalya Egorova, die allerlei geometrische Figuren mit ihren Händen und Füßen in Schwung hielt, Kaatie Akstinat am Vertikalseil oder das Duo Carré Curieux, das auf witzige und verspielte Weise Diabolos und Bälle tanzen ließ. Fazit: eine mutige, innovative Show, die insbesondere die jüngere Klientel ansprechen dürfte. "Morgensterne" ist noch bis zum 30. Oktober zu sehen. Karten gibt's unter der Telefonnummer 0711/2257070.

wk

01.09.2010 - aktualisiert: 01.09.2010 19:34 Uhr

 






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