"Für manche Menschen sind wir der einzige Kontakt am Tag"
Die Arbeit in der Krankenpflege hat sich über die Jahre stark gewandelt
von Ulrike Aner
HEDELFINGEN
Früher zahlte man jährlich einen Mitgliedsbeitrag beim Krankenpflegeverein und dafür kam die Schwester zu einem nach Hause im Falle von Krankheit oder zur Pflege. Heute hat sich das mit der allgemeinen Pflege- und Krankenversicherung geändert.
"Wir versuchen patientenorientiert zu arbeiten. Trotzdem reicht die Zeit oft nicht aus", bemerkt Christine Bareiss, die stellvertretende Pflegebereichsleiterin der Diakoniestation Hedelfingen und Einsatzleiterin Hauswirtschaft und Nachbarschaftshilfe.
Jemanden pflegen bedeutet auch ein offenes Ohr für den Patienten zu haben oder sich zu ihnen zu setzen um seiner Einsamkeit entgegen zu wirken. Das sind nämlich Dienstleistungen, die die Kasse nicht bezahlt. Hier tritt dann der Krankenpflegeverein ein, der die Kosten für die zusätzliche Zeitaufwendung übernimmt.
Diese Form der Pflege war früher zumeist Aufgabe der Familie, die sich um alte oder kranke Menschen in ihrem eigenen Kreise gekümmert hat und nur in speziellen Fällen Hilfe von außen benötigte. Mittlerweile gibt es die traditionelle Großfamilie kaum noch. "Das Pflegebild wird sich wandeln, sowohl wegen der Überalterung als auch den vielen Singlehaushalten", erklärt Bareiss. Damit werde sich auch der Blick auf die Krankenpflege verändern.
Diese Pflege kann jeder anfordern, unabhängig davon, ob man Mitglied im Förderverein ist oder nicht. Da kann es sein, dass der Hausarzt eine Betreuung für sinnvoll hält, ein Angehöriger Unterstützung braucht in der Pflege oder sich auch die betroffene Person selber meldet. Das Angebot Diakonieplus+ hilft dabei in Bereichen wie der Seelenpflege, dem Haushalt oder bei Alltagsdingen wie die Zeitung zu holen, Haustiere zu füttern oder Schriftverkehr zu erledigen. Darüber hinaus ist man in der Diakonie auch vernetzt mit der ambulanten Hospiz oder den Brückenschwester, wodurch es den Menschen möglich gemacht wird, trotz starker Beeinträchtigungen zu Hause zu leben und zu sterben.
Auch Zivildienstleistende sind Teil dieser Vernetzung. Dieses Jahr werden viele jedoch nur noch die geforderten sechs Monate leisten, was viel zu kurz sei, meint Michael Geibel, der Leiter des Mahlzeitendiesntes der Diakoniestation.
"Die Reduzierung auf neun Monate war schon schmerzhaft. Wenn man von den sechs Monaten noch die Zeit für die Einarbeitung Lehrgänge, Urlaubszeit und Krankheit abzieht bleibt fast nichts mehr übrig", erklärt Geibel. Außerdem brauche auch der Kunde eine gewisse Konstanz, die so nicht mehr gewährleistet werden kann.
"Für manche Menschen sind wir der einzige Kontakt am Tag. Daher möchten wir unseren Kunden einen ständigen personellen Wechsel nicht zumuten."
02.09.2010 - aktualisiert: 02.09.2010 07:12 Uhr