Joachim Bork: "Meine Heimat ist der Faustball" - Überraschungscoup mit TV Stammheim bei DM nicht ausgeschlossen
Der Sport ist mein Leben - dieser vielzitierte Spruch trifft in vollem Umfang auch auf Stammheims neuen Faustballtrainer Joachim Bork zu. Als Jugendlicher schwamm er bei den deutschen Meisterschaften mit, sein Olympia-Auftritt als moderner Fünfkämpfer scheiterte 1980 am Moskau-Boykott, als Volleyballer spielte er in der 2. Bundesliga, und als Faustballer heimste er beim TV Eibach einige deutsche Vizemeister- und Meistertitel ein. "Ich hab' eben ein Faible für Randsportarten", sagt der 53-Jährige, den seine Freunde einfach Jogi nennen.
"Meine Heimat ist der Faustball geworden", rückt der gebürtige Franke die Sportart in den Fokus, für die sein Herz am meisten schlägt. "Hier halten die Freundschaften auch in der Bundesliga." Keine Rangeleien, Eifersüchteleien und Tricksereien wie in manch anderen Sportarten, die er miterlebt hat.
Er ist ein richtiger "Sportoholic". Als er 1975 als Polizist in die Faustballgruppe seiner Kollegen stieß, war er noch ein hoffnungsvolles Schwimmtalent. Ein Talent, das seine Fühler auch noch zum modernen Fünfkampf ausstreckte: "Als ich das erste Mal vor einem Pferd stand, dachte ich, mit dem soll ich über Hindernisse reiten?!" Heute ist das Reiten seine zweite große Leidenschaft neben dem Faustball. Ganz nebenbei machte er den Trainerschein im Skilanglauf und Ski alpin und den 3. Dan beim Jiu-Jitsu.
Sein motorisches Talent verschaffte ihm allenthalben einen raschen Aufstieg, beim Faustball ging es gar so rasch, dass er auf die Frage eines Reporters nach der Netzhöhe am Ende eines Bundesliga-Matches eingestehen musste: "Ich weiß es nicht."
Dass sein Leben "nur aus Sport" besteht, hatte auch seine Schattenseiten: Seiner Frau wurde es zu viel, sie trennte sich von ihm. Sein Sohn Christoph hat allerdings das "Sport-Gen" von ihm geerbt: Als vierjähriger Steppke schleppte er den halben Kindergarten an, um eine Kinder-Faustballgruppe zu gründen. Heute frönt er den Adventure-Sportarten Klettern und Drachenfliegen.
Fast 20 Jahre - bis 1994 - spielte er aktiv beim TV Eibach in der Bundesliga. Mit dem Team wurde er 1988 Europapokalsieger und 1975 deutscher Hallenmeister.
Der Startschuss als Faustballtrainer fiel, als er beim TV Eibach die Damenmannschaft coachte. "Meine Frau jammerte damals, mach's du doch, wir haben keinen Trainer", blickt der 53-Jährige auf die Anfangszeit zurück. Einen großen Dämpfer erlitt Borks Karriere 1994, als er an den Nieren erkrankte und er letztlich seinen Beruf als Ausbilder an der Polizeischule an den Nagel hängen musste. Eine tückische Krankheit, die ihn zur Zeit zur Dialyse zwingt. Steil bergauf ging es 2004, als er mit Widnau Schweizer Meister wurde. Der größte Coup gelang ihm aber 2006, als er als Co-Trainer mit dem Schweizer Nationalteam Europameister wurde. "Am Ende des Finales standen nur noch meine Widnauer Jungs auf dem Platz", ergänzt er mit einem Augenzwinkern.
Im Februar 2010 stieß er zum Bundesligisten TV Stammheim, mit dem er prompt die deutsche Hallenmeisterschaft holte. Durch die Feierlichkeiten gab es eine längere Trainingspause, so dass der Start in die Feldsaison fast verschlafen wurde. Mittlerweile steht der TV auf dem dritten Platz und darf am 18. und 19. September zu den deutschen Meisterschaften in Delmenhorst. "Da müssen wir gegen Hamm spielen, eine lösbare Aufgabe", lautet Borks Analyse. Dann kommt allerdings Pfungstadt. "Die haben eine ganz junge Mannschaft und sind Titelaspirant", so Borg. "Aber wenn wir die schlagen sollten, will ich auch deutscher Meister werden."