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Alle 40 Sekunden nimmt sich jemand das Leben


Welt-Suizid-Präventionstag am 10. September - Telefonseelsorge rund um die Uhr
 

Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Todessehnsucht. Wer keinen Ausweg mehr sieht, der beendet das Leben. In Deutschland nehmen sich fast 10 000 Menschen das Leben, insge-samt sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen zusammen. Stuttgarter Einrichtungen versuchen, in der Notfallseelsorge und im Krisendienst Menschen mit suizidalen Gedanken stützende Begleitung und Lösungsstrategien anzubieten.
 

S-MITTE

Die Stuttgarter Einrichtungen Arbeitskreis Leben, evangelische und katholische Telefonseelsorge, Notfallseelsorge, Kriseninterventionsteam sowie der Krisen- und Notfalldienst haben sich zu einem Netzwerk für Menschen in suizidalen Krisen zusammengeschlossen. Sie wollen den Betroffenen Mut zu machen, über ihre Ängste und Gefühle zu sprechen. Weltweit nimmt sich alle 40 Sekunden jemand das Leben.

Hildegard Wagner ist Psychologin und arbeitet bei der Evangelischen Telefonseelsorge Stuttgart.

Sie weiß, was das für Menschen sind, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Leben freiwillig zu beenden. "Suizidale Anrufende sind häufig in ihrem Selbstwertgefühl stark verunsi-cherte Menschen. Sie befinden sich in einer inneren Ambivalenz, also einem Hin- und Herschwanken zwischen Todessehnsucht und dem Wunsch nach einem besseren Leben. Ebenso zwischen Scham, Hass und Wut und der Sehnsucht nach Geborgenheit und Harmonie." Die Ehrenamtlichen, die bei der Telefonseelsorge arbeiten, werden ausgebildet.

Sie bekommen Fakten und Hintergrundwissen vermittelt und lernen in Rollenspielen ihre Handlungskompetenz zu stärken. "Aber zunächst steht im Vordergrund die Arbeit an den eigenen Ängsten, an eigenen Erfahrungen mit suizidalen Gedanken, Impulsen und Handlungen", so Hildegard Wagner.

"Was sich meiner Meinung nach im letzten Jahr verändert hat ist, dass die Menschen, die in einer Notlage anrufen gleich am Anfang des Gesprächs sagen, dass sie suizidal sind und sich umbringen möchten. Wir bekommen etwa 50 000 Anrufe im Jahr, 3000 davon haben suizidalen Charakter."

Diese Erfahrungen hat Manfred Oswald, Bereichsleiter des Krisen- und Notfalldienstes, in der Vergangenheit gemacht.

Pfarrer Thomas Krieg, Leiter der katholischen Telefonseelsorge Ruf und Rat weiß, "dass tagsüber weniger Krisen sind als abends oder am Wochenende. Dann, wenn alles geschlossen und das Hilfespektrum reduziert ist, nehmen die Krisen zu".

Trotzdem habe man relativ wenige Akutfälle, im vergangenen Jahr seien es 77 gewesen. Mit zu der Arbeit des Krisen- und Notfalldienstes gehört auch die Betreuung der Hinterbliebenen.


08.09.2010 - aktualisiert: 08.09.2010 20:00 Uhr

 






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