
Winterschlussverkauf
Der schöne Gebirgsbach geht ganz schön auf die Nase
Das überschüssige Wasser läuft nicht mehr durch das Betonrohr
Ein im wahrsten Sinne des Wortes mitreißendes Projekt der Stadt hat sich in seinen ersten Wochen bewährt: die neue, als Wildbach gestaltete Entlastungsrinne und der renaturierte Bußbach. Doch eines könnte Spaziergängern nach einem Regen stinken, der Fäkaliengeruch des Wassers.
Schön ist er ja, der neue "Gebirgsbach", wie ihn die Anwohner bereits nennen. Eigentlich handelt es sich um eine offen geführte Entlastungsrinne, die das überschüssige Regenwasser vom Überlaufbecken an der Tuttlinger Straße in den Bußbach leitet.
Auf dem Weg ins Tal musste sich das Wasser viele Jahrzehnte durch ein Betonrohr zwängen, das am Ende zu eng für die Wassermenge und zudem teilweise beschädigt war. Der alte Ablaufkanal fasste nur etwa 2,1 Kubikmeter pro Sekunde, während die neue Ablaufrinne 4,7 Kubikmeter aufnehmen kann.
Nun befindet sich also am Hang zwischen dem Ortsrand von Alt-Sillenbuch und dem Bußbach ein 13-stufiges Konstrukt, das mit 190 Festmetern Lärchenstämmen, drei Tonnen Baustahl und 450 Tonnen Juragestein gestaltet wurde. Die 30 Höhenmeter ins Tal hinunter machten die fünfmonatigen Bauarbeiten nicht gerade einfach. Auch der Bußbach selbst wurde umgestaltet, in dem die Erdböschungen am Bach entlang renaturiert und neu modelliert wurden. Im Herbst sollen noch Büsche und Bäume parallel zur Holzverbauung gepflanzt werden.
Schon jetzt erfreuen sich die meisten Spaziergänger und Anwohner des neuen, 300 000 Euro teuren Gebirgsbachs, obwohl doch auch schon die Nasen einiger beansprucht wurden.
Während eines Starkregens vergangene Woche filmte ein Spaziergänger den reißenden Bach und kommentierte das Spektakel mit den Worten: "Das Wasser riecht nach Fäkalien, ganz deutlich." Auf Anfrage beim Tiefbauamt erklärte Sebastian Lübbe, Sachgebietsleiter für Kanalplanung, dass es sich in Stuttgart um "ein Mischsystem handelt, in dem Schmutz- und Regenwasser gemeinsam abgeleitet werden". Dach-, Straßen, Abwasser, alles lande in einem Kanalnetz.
"Bei Trockenwetter sammelt sich Schmutz im Überlaufbecken an der Tuttlinger Straße, so dass bei Starkregen dieser mit der ersten Ladung in den Bach fließt. Das, was danach kommt, ist dann sauberer", sagt er. Auch wenn das Wasser so verdünnt ist, dass es nicht schadhaft für den Bach sei, stellt er klar, dass es kein Trinkwasser sei.
So lange das Stuttgarter Kanalnetz ein Mischsystem bleibt, wird auch das Wasser im neuen Sillenbucher Gebirgsbach bei heftigem Regen nicht gerade geruchsneutral bleiben.
lil
09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 10:17 Uhr
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