"Mappus, stell dich deinen Bürgern!"
Protestwelle der Stuttgart-21-Gegner erreicht Staatsministerium
Auch vor der Villa Reitzenstein wurde in der vergangenen Woche gegen das Bahnprojekt S 21 demonstriert. An die 1500 Menschen kamen vor dem Staatsministerium zusammen. Ein Trubel, den die ansonsten ruhige Richard-Wagner-Straße nicht kennt.
Auf zahlreichen Transparenten dokumentierten die Gegner des Bahnprojekts S 21 ihren Unmut. Von "Tunnelbau = Pharaonenbau" bis zu "Mappus, stell dich deinen Bürgern" lauteten die Parolen. Seit Ende Juli haben Protest und Widerstand gegen die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs stark zugenommen.
Der Marsch vor das Staatsministerium sollte den Wunsch der Projektgegner unterstreichen, endlich ernstgenommen zu werden. Denn zunächst sei man nur belächelt worden, so Christoph Reinstadler von den Parkschützern.
Er skizzierte die Kundgebungen und Aktionen gegen S 21 in den vergangenen Monaten und den immer größer werdenden Zulauf der Protestbewegung. "Erst als wir am 27. August mit 50 000 Menschen den Landtag umkreist haben, haben Sie reagiert", so Reinstadlers Worte an einen nicht anwesenden Ministerpräsidenten.
Dieser war bereits am vergangenen Montag in seine Sommertour durch Baden-Württemberg gestartet. Dennoch hagelte es vor dem Staatsministerium buchstäblich Kritik. Schuhe mit angehefteten Beschwerdezetteln wurden über die Mauer des Staatsministeriums geworfen.
"Diese Aktion entstand ganz spontan", so Matthias von Herrmann, Pressesprecher der Initiative Parkschützer. Neben der Erhaltung des Bahnhofs und des Schlossgartens mit seinem alten Baumbestand führen die Parkschützer vor allem die gestiegenen Kosten des Bahnprojekts als Argument gegen S 21 an.
Drastische Worte richtete Christoph Reinstadler an Ministerpräsident Mappus: "Ihre Zeit in der Villa Reitzenstein läuft ab. Der Ausstieg aus S 21 könnte Ihnen helfen, diese Zeit zu verlängern."
Nach wie vor fordern die Projektgegner den sofortigen Baustopp und die endgültige Beerdigung des Projekts Stuttgart 21.
Bei den geplanten Sondierungsgesprächen mit den Befürwortern des Bahnprojekts soll vonseiten des Aktionsbündnisses gegen S 21 neben Gangolf Stocker (Initiative Leben in Stuttgart), Gerhard Pfeifer (BUND), Sabine Lacher (Fahrgastverband Pro Bahn) und Klaus Arnoldi (Verkehrsclub Deutschland) auch ein Vertreter der Parkschützer vertreten sein.
09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 10:35 Uhr