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Brodbecks Traum vom Fliegen


Plattenhardter Pioniergeist ist vor 100 Jahren in Texas gestorben
 

Vor 100 Jahren ist Jacob Brodbeck in Texas gestorben, jetzt erinnert sein Geburtsort Plattenhardt an das Leben und Schaffen des Mannes, der hierzulande kaum bekannt ist.
 

PLATTENHARDT Nikolaus Back vom Filderstädter Stadtarchiv und Carsten Wagner, Inhaber der Kelten-Apotheke in Plattenhardt, haben viel Zeit und Arbeit investiert, um die Veranstaltung zum Gedenken an Jacob Brodbeck zu ermöglichen. Die Erinnerung an Brodbeck sollte bewusst kein trockener wissenschaftlichen Vortrag sein, vielmehr werden Schauspieler an einigen Plattenhardter Schauplätzen, die mit Jacob Brodbeck zu tun haben, lebendige Szenen spielen, die teilweise auch noch musikalisch eingerahmt sind. Das von Barbara Metelmann erstellte Drehbuch verspricht also am Sonntag, 19. September, einen kurzweiligen und amüsanten Nachmittag.

Die erste Veranstaltung beginnt um 14 Uhr, die zweite szenische Lesung startet umd 16 Uhr. Ausgangspunkt ist jeweils das Brodbeck-Denkmal an der Ecke Ulberg- und Pfarrstraße. Karten gibt es für acht Euro (ermäßigt sechs Euro) bei der Volkshochschule, der Kunstschule sowie in der Kelten-Apotheke in der Uhlbergstraße 5/7.

Doch wer war dieser Jacob Brodbeck nun eigentlich? Geboren wurde der spätere Flugpionier am 13. Oktober 1821 in Plattenhardt.

Wahrscheinlich ist das Gebäude an der Kirchstraße 26 sein Geburtshaus. Als junger Mann besucht Jacob dann das Lehrerseminar in Esslingen und ist anschließend sieben Jahre an verschiedenen Orten in Württemberg als Lehrer tätig. In seiner Freizeit betätigt er sich als Organist und Pianist. Außerdem tüftelt er zum Beispiel an einer immerwährenden Uhr für Schifffahrtszwecke.

Durch die wirtschaftliche Not suchen aber auch die Brodbecks nach Möglichkeiten für einen Neuanfang und man plant die Auswanderung nach Amerika. 1846 geht es auf die achtmonatige Reise und schon ein Jahr später arbeitet Jacob Brodbeck wieder als Lehrer im texanischen Fredericksburg. Doch auch hier findet der umtriebige Geist aus Plattenhardt keine Ruhe, 1849 verläßt er Fredericksburg wieder, um in Castell Land zu übernehmen, das er bereits 1851 wieder verkauft.

Erst im Jahr 1858 nach der Heirat mit der jungen Christina Behrens, der Tochter eines durch Indianerpfeile getöteten Bekannten, wird eine Farm in Grape Creek zu Brodbecks vorläufiger Heimat. Ab jetzt beginnt er sich mehr und mehr der Idee zu widmen, die ihm seit seiner Schiffspassage nach Amerika, keine Ruhe mehr gelassen hat: "Die genaue Beobachtung des Fluges der Vögel überzeugte mich, dass sie nach dem Prinzip der vereinigten Wirkung des Papierdrachens und Fallschirms fliegen. Untersuchen wir diese Wirkung." Schließlich baut Jacob Brodbeck einen Flugapparat, den er "Air-Ship" nennt.

Der Motor wird über Aufziehfedern angetrieben und zum Erstflug am 20. September 1865 kommen viele Zuschauer. Nach verschiedenen Ansprachen segelt Brodbeck mit seiner Konstruktion einige Minuten über die Baumwipfel, bevor das "Air-Ship" unsanft auf dem Feld landet. Die Bruchlandung kann seinen Tatendrang jedoch nicht bremsen und 1874 startet er mit einem neuen, ebenfalls federgetriebenen "Air-Ship" zu einem laut Zeitzeugen "einige Minuten dauernden" Flug. Geblieben ist die Erinnerung an den "Pionier der amerikanischen Luftfahrt", für den 1986 in Fredericksburg das Brodbeck-Denkmal errichtet wurde.

Quelle: Carsten Wagner und Stadtarchiv Filderstadt


pn

09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 10:45 Uhr

 

 

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