Das ewige Thema der Menschheit
Wenn eine Uhlbacherin einen Städter liebt - Neuer Stuttgart-Roman
von Gesa von Leesen
UHLBACH
Wie Biene und Martin Missverständnisse, Intrigen und Dummheiten erleben, erzählen Leuze und Nägele abwechselnd. Julie Leuze hat die Biene-Kapitel geschrieben, Olaf Nägele nahm Martins Standpunkt ein. Wochenblatt-Korrespondentin Gesa von Leesen hat sich mit dem Autoren-Duo über die Arbeit und das Buch unterhalten.
Mann, Frau, Liebe mit Hindernissen - das gibt es schon tausendfach. Warum noch mal?
Leuze: Das ist doch das ewige Thema der Menschheit.
Nägele: Irgendjemand hat mal gesagt, es gibt nur zwei große Themen: Die Liebe und den Tod. Wir wollten in dieser Geschichte die zwei Perspektiven - Mann und Frau - zeigen. Julie hat ja die Biene-Kapitel geschrieben und ich die Martin-Kapitel. Jeder konnte seinen Ton beibehalten. Das ist das Besondere.
Wie funktionierte das Schreiben in der Praxis?
Nägele: Wir hatten einen groben Ablaufplan. Viele Situationen haben sich dann aber aus dem Schreiben ergeben, zum Beispiel war der Ausflug nach Neuharlingersiel ursprünglich nicht vorgesehen.
Leuze: Wir haben uns regelmäßig getroffen und die Kapitel besprochen. Olaf hat dann mit mir geschimpft, fand manches zu kitschig. Oder ich habe bei manchen Äußerungen von Martin gemeint, so was sage doch kein Mann. Am Ende haben wir die Kapitel des anderen noch mal genau daraufhin durchgesehen, was die eigene Figur beim anderen sagt. Das musste ja zu dem Charakter passen. Aber die Eingriffe beim jeweils anderen hielten sich in Grenzen. Sonst hätte man das Buch ja gleich alleine schreiben können.
Die Hauptperson Biene wohnt in Uhlbach. Warum?
Leuze: Weil ich da mal gewohnt habe und ich fand es da schön. Uhlbach hat natürlich auch etwas Zwiespältiges: Es ist sehr idyllisch, ein Weingärtnerdorf.
Aber es hat auch die Enge eines Dorfes. Das kommt in dem Roman ja auch vor, bei der Spielplatzszene, wo Biene mit den Ansprüchen der anderen Mütter konfrontiert wird.
Nägele: Ein Wohnort sagt ja immer etwas über die Figuren. Und da passt Uhlbach perfekt zu Biene. Sie will es gerne heimelig haben. Dagegen steht dann Martin als urbaner Typ. Da liegt also auch ein Konflikt für die beiden Personen drin.
Zwei Personen schwätzen schwäbisch, der Werbeagentur-Chef Köbele und Bär, Martins Freund. Wer von Euch ist der Dialekt-Freund?
Nägele: Ich. Wenn ich eine Geschichte aus der Region verfasse, muss der Dialekt eine Rolle spielen. Die Leute hier sprechen schließlich so. Natürlich ist das auch ein Stilmittel, es charakterisiert eine Person. Bei Bär steht der Dialekt für das urschwäbische Pragmatische. Bei Köbele denke ich: So einen Chef kennen einige vielleicht. Da dient der Dialekt dazu, um ihn lustiger zu machen. Er ist gewitzt und erfolgreich - das gehört ja auch zum Schwäbischen.
Und wer hat einen Hang zur Esoterik, die im Roman auch eine Rolle spielt?
Leuze: Ich. (lacht) Meditation finde ich gut. Aber ich weiß auch, dass in dieser Szene viele sind, die sich nur oberflächlich damit beschäftigen, ein Wochenendseminar machen und dann meinen, den Rest der Welt damit missionieren zu müssen.
Mir ist aufgefallen, dass die meisten Personen in dem Roman ziemlich unerwachsen sind. Warum?
Nägele: Martin arbeitet ja in der Werbebranche und ich habe in dieser Branche viele Menschen erlebt, die nicht erwachsen sind. Daraus ziehen sie aber auch ihre Ideen, sie sind allen Reizen zugewandt.
Leuze: Außerdem ist das heutzutage ja in vielen Bereichen so. Jugendlichkeit wird groß geschrieben. Auch wenn es bei eigentlich Erwachsenen lächerlich wirkt, wird das nicht abgestraft. Mir geht das oft so: Ich blättere Frauenzeitschriften durch und denke, das sind alles Themen, die mich mit 19 interessiert hätten. Aber die sind für gestandene Frauen gedacht.
Nägele: Außerdem: Was heißt denn erwachsen? Schau mal in ein Bierzelt und zeige mir drei Leute, die sich erwachsen verhalten...
Leuze: Zudem macht es das Buch natürlich lustiger. Man lacht mit den Protagonisten aber ein bisschen lacht man auch über sie. Und das wollten wir ja: Ein entspannende und heitere Geschichte aus unserer Region.
09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 07:05 Uhr