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Hans-Peter Jahn: Immer noch neugierig


Wer einmal bei einem "Eclat"-Festival war, der staunt immer wieder, was der Veranstalter Musik der Jahrhunderte und die Neuen Vocalsolisten Stuttgart so alles aufführen. Da sind 28-stimmige Kompositionen – jeder im Ensemble wird zu einem Solisten, der teilweise auch noch szenisch auf der Bühne agiert. Marcus Creed übt mit seinem Ensemble alles ein, doch die Verbindung zum Komponisten, die Aufträge, die vergeben werden, die Ideen, die erst einmal nur ein Konzept sind – all das hält Hans-Peter Jahn in den Händen. Seit 1983 leitet Jahn das Festival. Clytus Gottwald, einst Kantor an der Pauluskirche, und Gründer der Schola Cantorum Stuttgart, hatte zusammen mit Manfred Schreier, Peter Imbescheid und Michael Zilm, alles namhafte Dirigenten und Musiker aus der Stuttgarter Szene, einen Festival-Vorläufer entwickelt. Den Musiktagen in Donaueschingen, das bekannteste Festival der Neuen Musik, sollte etwas entgegengesetzt werden. Die Weiterentwicklung und die Professionalisierung mit den Neuen Vocalsolisten brachte Hans-Peter Jahn nach und nach in "Eclat" ein. Der damalige SDR kam in der Nachfolge Clytus Gottwalds auf Jahn zu, und seit 1989 ist der Cellist beim heutigen Südwestrundfunk (SWR) leitender Redakteur für Neue Musik und war innerhalb dieser Zeit fünf Jahre lang verantwortlich für das SWR Vokalensemble Stuttgart. "Ich hab mir eine geistige Hornhaut zugelegt", sagt der 63-Jährige und umschreibt die Situation, wie man damit umgeht, wenn eine Komposition kurz vor der Uraufführung fertig wird. "Bei einem namhaften Komponisten ist es sein eigenes Risiko, bei einem jungen Kollegen muss man sich tief in die Noten einlesen und sicher tiefer eindringen." Das Problem sei oft, dass mancher Komponist nicht unbedingt Orchestererfahrung hat. "Wenn eine Aufführung szenisch ist, dann muss man hier manches zusammenbringen, was erst einmal nichts mit Musik zu tun hat. "Oft ist Scheitern mit inbegriffen." Doch es sind eben nicht nur die Uraufführungen, die Auftragswerke touren teilweise durch ganz Europa. 2013, so der Leitende SWR-Redakteur, wird aber in jedem Fall Schluss sein mit der Festivalleitung. "Das Wörtchen Ruhestand mag ich gar nicht." Es sei der Lauf der Dinge, dass man zum Diener seiner eigenen Ansichten wird. Mit der Nachfolge dieser Leitung – rund um die Nachfolge von Helmuth Rilling ist bekanntlich ein Politikum entstanden – will Jahn nicht unbedingt etwas zu tun haben. Das Vertrauen in Christine Fischer, Geschäftsführerin von "Musik der Jahrhunderte" und organisatorische Leiterin des Festivals "Eclat", scheint groß zu sein. Auch beim SWR wird Schluss sein. Und was wird dann mit der Neuen Musik im Kultursender SWR2 werden? "Ich gehe von dem Fakt aus, dass es hier nur noch eine halbe Stelle geben wird." Langweilig wird es Hans-Peter Jahn sicher nicht werden. "Ich möchte wieder mehr Cello spielen, mehr Konzerte geben und auch wieder mehr in die Theaterwelt." Schließlich kommt Jahn auch von der Dramaturgie im Musiktheater. Gut vorstellen könnte man sich auch, dass der Vollblutmusiker wieder zu den Anfängen zurückkehrt. Zwei Begebenheiten, von denen eine gar nichts mit einem musischen Ort zu tun hat, brachten Jahn nämlich zur neuen Musik: Zum einen war da das Vorspiel, bei dem der junge Student in einem Ensemble an der Musikhochschule als Cellist einstieg und merkte, dass improvisierte Schlampigkeit Spaß macht. Zum anderen ging er zusammen mit seinem Bruder in die Vollzugsanstalt Stammheim: "Hier war es ganz gleich, welche Komponisten man spielte." Es wurde gar nicht angenommen oder Unterschiede wurden nicht erkannt. Doch das war und ist stets das Vorhaben Hans-Peter Jahns: mit Neuer Musik ernste Musik vom hohen Sockel holen und einem breitem Publikum nahebringen.

Katrin Schenk

25.01.2012 - aktualisiert: 25.01.2012 12:45 Uhr

 






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