Schulschwimmen ungewiss: Ein Wegfall des Stadtbades ohne entsprechenden Ersatz bereitet umliegenden Schulen und Kommunalpolitik Sorgen.

 

 

Außer Betrieb: Das Stadtbad in der Hofener Straße in Bad Cannstatt ist mehr als in die Jahre gekommen. Eine Sanierung ist ausgeschlossen, da der Kostenaufwand zu hoch wäre. Alle drei umliegenden Schulen – die Jahn-Realschule, die Brunnen-Realschule und das Johannes-Kepler-Gymnasium – sowie Bürger als auch Kommunalpolitiker machen sich zwar seit Jahren für den Erhalt stark – im Bürgerhaushalt 2017 landete der Erhalt auf Platz 4, 2019 auf Platz 7 – doch ohne Erfolg. Die Stadtverwaltung hält an ihrem Vorhaben fest. „Der Standort ist enorm wichtig. Es gibt zwar noch das Inselbad in Untertürkheim, aber allein die Anfahrt kostet viel Zeit, da die Entfernung sehr groß ist. Auch das Mombach-Bad des Schwimmvereins Bad Cannstatt wird genutzt, aber dort gibt es kein Lehrbecken für unsere Nichtschwimmer“, sagt Andreas Führinger-Cartier, Schulleiter der Jahn-Realschule.

Der Wegfall des Stadtbades mache bereits seit Beginn der Corona-Krise deutlich, was fehlende Hallenkapazitäten für Auswirkungen haben: „Unsere Turnhalle teilen wir mit der Brunnen-Realschule. Dadurch dass das Bad geschlossen ist, steht die Gruppe, die dort nicht schwimmen kann, quasi in der Gegend herum. Das zeigt deutlich, dass eine Lösung her muss“. Hinzukommt, dass auch die Schulturnhalle der Jahn-Realschule ein Sanierungsfall ist. „Wenn die Turnhalle abgerissen werden und hier etwas Neues entstehen könnte, wäre das klasse.“ „Alle drei Schulen leider unter Raumnot. Ein Veranstaltungsort fehlt uns allen.“

Erneuerungsmaßnahmen könnte man daher nutzen, um mehr Raum zu schaffen. Wie das aussehen könnte, zeigt eine Antrag der SPD-Gemeinderatsfraktion. Sie schlägt eine Kombilösung vor: Auf der Fläche der derzeitigen Turnhalle der Jahn-Realschule solle ein zweigeschossiger Kombi-Neubau mit dreiteiliger Sporthalle und einer Schwimmhalle mit 25-Meter-Bahnen entstehen. Zusätzlich solle die Stadtverwaltung prüfen, ob bei dieser neuen Campuslösung auch Mensaräume realisiert werden können, heißt es in dem Antrag. Einen gleichlautenden Antrag hat auch der Bezirksbeirat Bad Cannstatt am 27. Mai 2020 beschlossen. „Ein Wegfall des Stadtbades ohne einen adäquaten Ersatz wäre für den Schulstandort, aber auch für die Schwimmvereine ein herber Verlust. Dieser könnte auch durch das neue Sportschwimmbad, das sich im Neckarpark befindet, nicht aufgefangen werden. Zumal wir stadtweit jetzt schon zu wenig Beckenkapazitäten haben“, erklärt Bernd-Marcel Löffler, Bezirksvorsteher von Bad Cannstatt.

„Der Ansatz, hier eine Gesamtplanung mit Turnhalle und Schwimmbad am Standort der Jahn-Realschule zu entwickeln, ist meiner Meinung nach der absolut richtige, zumal sowohl die bestehende Turnhalle als auch das bestehende Stadtbad deutlich marode sind.“ Auch Führinger-Cartier spricht sich für eine solche Campuslösung aus. Von dieser würden dann auch die Brunnen-Realschule sowie das Johannes-Kepler-Gymnasium profitieren. Wenn also durch ein Gesamtkonzept Schwimmbad und Sporthalle unter ein Dach gebracht werden könnten, und eventuell sogar eine Mensa realisiert werden könnte, wäre das eine große Erleichterung. Auf Anfrage des Stuttgarter Wochenblatts zur Campuslösung, teilte die Pressestelle der Stadt Stuttgart mit, dass sich momentan verschiedene Ämter mit dem Thema beschäftigen und an der Beantwortung des Antrags der SPD-Gemeinderatsfraktion arbeiten. Ergebnisse würden noch nicht vorliegen.

 

 

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