Der Neubau für Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren beim Palmenhaus in der Wilhelma ist eingeweiht worden – 620 Quadratmeter laden zum Kennenlernen neuer Arten ein.

 

 

Für Paul steht schnell fest, wer sein neuer Liebling im gerade eingeweihten Neubau in der Wilhelma ist: der Tamandua. Der kleine Ameisenbär aus Mittel- und Südamerika wechselt zwischen seinen beiden Gehegen hin und her. Manchmal bleibt er kurz stehen und schaut sein Publikum an. Aber schnell trollt er sich auch wieder und klettert geschickt an den Wänden oder sogar an der Decke seines neuen Reviers entlang.

Bereits kurz vor Ostern ist der neue Teil direkt neben dem Palmenhaus, in der Nähe des Haupteingangs, gut besucht. „Wer glaubt, in der Wilhelma schon alles gesehen zu haben, wird hier viele weitere Facetten der Tier- und Pflanzenwelt entdecken“, hat Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin am Vormittag gesagt.

Die zweiten Favoriten, weil sie auch auf Augenhöhe von Kindern gut zu sehen sind, sind die Nacktmulle, die sicher an keinem Schönheitswettbewerb teilnehmen können: Die circa sechs bis zehn Zentimeter großen Nagetiere gelten in der Forschung deshalb als erstaunlich, weil sie in großen Kolonien vorkommen, was für Säuger eher ungewöhnlich ist. Außerdem haben sie, obwohl sie statt Fell nur ganz feine Härchen auf ihrem Körper tragen, kaum ein Schmerzempfinden. „Das zeigt, dass wir Menschen unglaublich viel von der Tier- und Pflanzenwelt lernen können, deren Fähigkeiten wir immer noch nicht ganz durchschauen“, so Kölpin. Deshalb sei es wichtig, diese Artenvielfalt sichtbar zu machen, „um mehr Unterstützung für ihren Schutz weltweit zu gewinnen“. Der Wegekuckuck, den man auch als „Road Runner“ mit lila Schopf aus Comics kennt, sieht unscheinbar aus, ist aber ein hervorragender Jäger, der die Beute im Laufschritt erlegt.

Ganz ins Eck seines neuen Lebensraums hat sich das Kleinkantschil zurückgezogen. Ein kleines bisschen sieht es aus wie ein Häschen. Tatsächlich stammt es aus der Familie der Hirschferkel und gilt als kleinster Paarhufer. Die Afrikanischen Zwergfalken fliegen genauso wie die bunten Tauben in ihren Volieren umher. Was bei der Planung des Neubaus wichtig war: auch die Umgebung der Tiere abzubilden. So sind die 620 Quadratmeter aufgeteilt in Regenwald und Savannenlandschaft. Freunde von Kakteen und Flora-Fans werden ihr Augenmerk wohl hauptsächlich auf die Schaubeete für Insektivoren, die so genannten fleischfressenden Pflanzen, richten. Bisher waren sie nur im Sommer auf den Subtropenterrassen zu sehen. Dank des Neubaus können sie nun erstmals das ganze Jahr über gezeigt werden.

Die Architekten mussten eine Kombination aus Massivbauweise und luftig- heller Gewächshaus-Kon­struktion schaffen. Da sich die Innenluft an Scheiben stärker als an Wänden abkühlt, entsteht darin ein größeres Temperaturgefälle als in geschlossenen Häusern. Ventilatoren wirken dem Luftzug entgegen.

 

 

Kosten, Wegweiser und Wilhelmaschule

Die Gesamtkosten beliefen sich auf 3,2 Millionen Euro. Der Förderverein steuerte 200 000 Euro für die Gestaltung der Volieren bei. Die Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum brachte 10 000 Euro für die Insektivoren-Sammlung auf.

Tipp: Der Neubau Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren ist nicht ganz einfach zu finden, weil er sich ans Palmenhaus anschließt, dort, wo sich die Tropenpflanzen, die Kakteen und die Orchideen befinden. Man geht vom Eingang aus durch die Gewächshäuser und biegt im Wintergarten nach links ab.
Übrigens: Die Wilhelmaschulteams sind in der Coronapandemie digital ins Klassenzimmer gekommen. Hier ist man gerade dabei, dass auch wieder Programm in Präsenz möglich ist.

Näheres demnächst unter www.wilhelma.de/de/wilhelmaschule-online.
Infos unter 54 02-1 15 oder wilhelmaschule@wilhelma.de.