Unter dem Motto „Transit – Kunst am Steg“ sind Kunstschaffende aller Sparten aufgerufen, den funktionalen Betonsteg aus den 1980er Jahren zu gestalten.

 

 

Massiv, grau, funktional: Millionen von Fußgängern laufen jährlich über den Martin-Mayer-Steg aus den 1980er Jahren zwischen dem S-Bahnhof Bad Cannstatt und der Stadtbahn-Haltestelle Wilhelmsplatz. Er ist ein klassischer Durchgangsort, ein sogenannter Transitraum, an dem sich Menschen nicht lange aufhalten. Man passiert ihn nur, um irgendwo anders hinzugelangen. Und dennoch gilt er als eine wichtige Verbindung zur Altstadt und ist daher stark frequentiert. Doch der massive, aber auch trist ausschauende Betonsteg wird jetzt zum Experiment: Ein Kunstwettbewerb, der nun startet, stellt die Frage, was es bedeutet, wenn ein öffentlicher Raum allein für den Transit bestimmt ist. Als Maßnahme des städtischen Investitionsfonds „Stadtteilzentren konkret“ und im Kontext des Vorhabens „Ankommen in Bad Cannstatt“ im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27) ist das Ziel der Umgestaltung dieser wichtigen Fußwegeverbindung, die Wertschätzung für den öffentlichen Raum als Lebensraum der Stadtgesellschaft zu stärken und damit auch die Identität vor Ort. Dafür steht ein Gesamtbudget von 50 000 Euro (brutto) zur Verfügung.

Die Umsetzung soll sich auf die sozialen, räumlichen und architektonischen Dimensionen des Ortes beziehen. Der Kunstwettbewerb erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. Ab sofort können bis zum 11. Januar 2021 Konzeptideen in Form von Skizzen eingereicht werden. Unter allen Einreichungen wählt eine Auswahlkommission bis zum 1. Februar 2021 fünf Konzepte aus, die in einer zweiten Stufe bis zum 12. April 2021 detailliert ausgearbeitet werden sollen. Im Mai 2021 wird der Gewinner­entwurf ermittelt, bevor im Sommer 2021 die Umsetzung erfolgen kann. Der Zustand des Martin-Mayer-Stegs wurde erst Anfang des Jahres aufgrund der Vermüllung und Verwahrlosung von der Cannstatter Bezirksbeiratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen kritisiert, daher könnte das temporäre Vorhaben neuen Wind in Sachen Optik und Aufwertung bringen.

Generell soll im Bereich zwischen Eisenbahn-, Bahnhof- und Seelbergstraße viel geschehen: Schon allein, da die Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2024 ansteht, und die Stuttgarter Stadtverwaltung will einem internationalen Publikum diesen zentralen Ort Bad Cannstatts natürlich optisch aufgewertet präsentieren. Wie das geschehen soll und vor allem wann, gerade in Hinblick auf das leer stehende Gebäude, wo einst der McDonald’s beheimatet war, bleibt vorerst offen. Zunächst steht der Kunstwettbewerb an.

 

 

Martin-Mayer-Steg

Liebe Leserinnen und Leser, wie finden Sie das Projekt, das eine künstlerische Aufwertung des Martin-Mayer-Stegs vorsieht? Wie nahmen Sie bisher den Betonsteg wahr? Was sollte sich in Zukunft hier ändern? Teilen Sie uns sehr gerne Ihre Meinung mit per E-Mail an wochenblatt@stzw.zgs.de.