Erika Andert ist im Februar 1975 mit ihrer Familie von Köln nach Bad Cannstatt gezogen und hat dort „eine neue Heimat“ gefunden – mit vielen Lieblingsplätzen.

 

 

„Besonders lieb gewonnen habe ich den Wochenmarkt an der schönen Stadtkirche“, schwärmt Erika Andert. Vor 45 Jahren ist die 84-Jährige nach Cannstatt gezogen – in Köln ist sie groß geworden. Auf dem Wochenmarkt hat sie sich mit frischem Obst und Gemüse für die Woche eingedeckt, ein Blumenstrauß darf nie fehlen. Heute gab es nach vielen Wochen endlich wieder Gelegenheit zum Plausch mit Helmut Steinle. „Mein liebster Stand auf dem Wochenmarkt ist der Blumenstand der Familie Steinle. Deshalb sind auch Frau und Herr Steinle meine liebsten ,Menschen mit Herz‘ hier in Bad Cannstatt“, erzählt Erika Andert.

„Beide haben nicht nur ein Herz für ihre schönen Blumen, sondern auch immer ein offenes, liebes Wort für ihre Kunden.“ Den Stand von Blumen Steinle gibt es seit fast 70 Jahren auf dem Cannstatter Wochenmarkt. Seit 20 Jahren ist sie Witwe. Am liebsten geht Erika Andert, sie ist geborene Kölnerin, an Weiberfasnet – schmunzelnd fügt sie hinzu „am Schmotzige Dunschtig“ – auf den närrischen Markt. Die Steinles sind dann kostümiert. Erika Andert ist angekommen in Cannstatt, sie möchte nicht mehr weg. Viel hat sich ereignet, seitdem sie vor 45 Jahren hierherkam. Ihr Mann hatte eine Stelle beim Diakonischen Werk angeboten bekommen. Mit ihren zwei Kindern zogen sie an den Neckar. Am Mörike-Gymnasium wurde sie als Deutsch- und Fran­zösischlehrerin angestellt. Heute versteht sie den schwäbischen Dialekt sehr gut, spricht ihn aber nicht.

Ein bisschen hört man das „Kölsche“ heraus, etwa dann, wenn sie erzählt, wie es ihr mit dem Schwäbischen ergangen ist. Beim Wandertag zum Bärenschlössle fragte sie eine Schülerin: „Wo kann ich denn a Rolle mache?“, worauf die Lehrerin auf die große Wiese vor ihnen zeigte und meinte, da sei doch Platz genug. Erika Andert hatte nämlich verstanden, dass das Mädchen einen Purzelbaum machen wollte. „Ich fühlte mich von Anfang an eher als Cannstatterin und nicht als Stuttgarterin“, sagt Erika Andert.

Weitere Lieblingsplätze von ihr sind wegen seiner Blumen der Kursaal, das Mineralbad Cannstatt und überhaupt die vielen Brunnen in Cannstatt. Den Kölner Humor und die Kölsche Frohnatur hat sich Erika Andert bewahrt und zusammen mit ihrer Familie „natürlich immer mal wieder an unsere Heimatstadt Köln am Rhein gedacht“. Aber, fügt sie schnell hinzu, sie seien froh darüber gewesen, dass sie in Bad Cannstatt „am Neckar“ eine neue Heimat gefunden hätten.