Auf der Suche nach Wohnraum in der Großstadt haben die Stadtplaner wieder einmal das Birkacher Feld im Visier.

 

 

In Stuttgart ist Wohnraum ein knappes und kostbares Gut. Ob Nachverdichtung allein den Mangel beheben kann, ist fraglich. Immer wieder werden deshalb auch die Freiflächen am Stadtrand ins Planspiel gebracht. Unter anderem haben die Verantwortlichen im Stuttgarter Rathaus nun – wieder einmal – das freie Feld im Westen von Birkach ins Visier genommen. Das Birkacher Feld zeichnet sich durch seine einzigartige Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen aus, durch seine guten Böden und durch den hohen Wert an Naherholung für die Menschen in den umliegenden Stadtteilen, die nicht nur an klaren Tagen einen Spaziergang zu den drei Linden schätzen, um den Blick schweifen zu lassen. Nun sind die 65 Hektar Ackerland auf Birkacher Gemarkung wieder in den Fokus der städtischen Planer gerückt. Nach Einschätzung der Verwaltung könnten etwa 3600 Wohnungen auf dem Birkacher Feld entstehen, ausreichend Platz also für rund 11 000 Menschen. Würde man nur den östlichen Rand bebauen, wäre das ein 9,6 Hektar großer Streifen, auf den bis zu 530 Wohnungen passen würden.

Doch sofort hat sich massiver Widerstand gegen die Pläne formiert. Dieser Tage hat das neu formierte Aktionsbündnis Birkacher Feld einen Flyer in den betroffenen Stadtteilen Birkach, Steckfeld, Chausseefeld und Asemwald verteilt und zum Widerstand gegen die Bebauung aufgerufen. Das Bündnis für den Erhalt des Birkacher Felds ist breit aufgestellt. Darin  engagieren sich mehr als  20 Bürgervereine, Parteien, Umweltorganisationen, Landwirtschaftliche Ortsvereine, die Gruppe Filderpark der Lokalen Agenda und die Schutzgemeinschaft Filder. Gemeinsam mit den betroffenen Bürgern wollen sie die Bebauung des Birkacher Feldes generell verhindern, auch nicht am Rand.


Das Aktionsbündnis führt ins Feld, dass das Gebiet eine wichtige Frischluftschneise und ein Naherholungsgebiet ist, zudem wird es landwirtschaftlich genutzt. „Es leistet damit auch einen maßgebenden Beitrag zur Attraktivität des Wohnens im Filderraum“, argumentiert das Bündnis und verweist auf eine Studie, die Entwicklungspotenziale vor allem rund um den Flughafen auslotet.  Die Stadt Stuttgart solle eher auf Nachverdichtung setzen, als Freiflächen wie das Birkacher Feld zu versiegeln, sagen die Aktivisten.


 In einem offenen Brief an die politisch Verantwortlichen forderten sie, „die Debatte über das Birkacher Feld sofort zu beenden und eine Bebauung definitiv auszuschließen“. Der Bezirksbeirat hat  sich – wie vor rund 15 Jahren, als das Thema schon einmal hochkochte – auch jüngst wieder mit deutlicher Mehrheit gegen eine Versiegelung des Birkacher Felds ausgesprochen. „Der Boden dort zählt weltweit zu den besten“, sagt Joachim Kausch, Bezirksbeirat der Grünen in Birkach. Dass gegen die Mehrheit der Gegner einer Versiegelung, zu der auch die Landwirte gehörten, das Birkacher Feld doch bebaut wird, kann sich Joachim Kausch daher kaum vorstellen. „Zumal auch die Plieninger das Ganze kritisch sehen.“

 

 

Birkacher Feld

lle Pläne und der Sachstand zum Birkacher Feld auf der Homepage des Aktionsbündnisses Birkacher Feld unter https://akbirkacherfeld.de