Das neu gegründete Radbündnis Filder macht auf Abstandsregeln und Problemzonen im Straßenverkehr aufmerksam.

 

 

Die Schwimmnudeln müssten eigentlich noch etwas länger herausstehen. Dennoch traut sich bei der Testfahrt in Birkach für die erste konzertierte Aktion vom neu gegründeten Radbündnis Filder kaum ein Autofahrer an den Zwei­rädern vorbei. Am Samstag, 26. Juni, werden sich die Radaktivisten wieder die eineinhalb Meter langen Nudeln auf ihre Gepäckträger schnallen, die plastisch zeigen, wie groß der Abstand zwischen Auto und Fahrrad sein muss. Damit wollen sie in Möhringen, Birkach und Plieningen sowie in Ostfildern, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen Punkte ansteuern, an denen es zwischen Auto- und Radfahrern eng zugeht.

Das Radbündnis Filder will das Fahrradfahren sicherer machen. Denn nicht erst seit Corona steigen immer mehr Menschen aufs Rad. Auch auf den Fildern gibt es einen deutlichen Trend hin zum Drahtesel, aber es fehlt vielerorts an der entsprechenden Infrastruktur. Damit noch mehr Menschen in den Sattel steigen, müsse der Straßenraum zugunsten des Radverkehrs neu verteilt und mehr Abstellmöglichkeiten geschaffen werden, so die Forderung. Der Ausbau der Infrastruktur brennt den rund 25 Aktiven auf den Fildern unter den Nägeln. Auslöser war der Radweg zwischen Plieningen und Echterdingen, der aufgrund einer Baustelle einfach gekappt wurde. Stephanie Reinhold, die stellvertretende Bezirksvorsteherin in Plieningen-Birkach, brachte Monika Knopf vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Leinfelden-Echterdingen und Evelyn Sindermann von 70599 Lebenswert zusammen. „Es war schnell klar, dass hier etwas für die Radfahrer und Radfahrerinnen über die Gemarkungsgrenzen hinaus getan werden muss“, sagt Evelyn Sindermann.

In einem Auftaktworkshop wurden im vergangenen August viele Problemzonen der Radinfrastruktur auf den Fildern zusammengetragen, und das Radbündnis Filder wurde aus der Taufe gehoben. Neben am Radeln interessierten Bürgerinnen und Bürger engagieren sich dort Mitglieder des ADFC, Vertreter der Universität Hohenheim und die kommunalen Radbeauftragten von Stuttgart, Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern und Filderstadt. Aufgaben gebe es viele, sagt Evelyn Sindermann, etwa der Flughafentunnel, der eine Gefahrenstelle für Radler sei. „Das Problem ist schon lange bekannt, Lösungen gab es bisher keine.“ Mit den Verantwort­lichen aus Stadt und Land würden jetzt Vorschläge entwickelt, die zeitnah in konkrete Planungen münden sollen.

Mit der neuen App „Blickwinkel“ könnten weitere Gefahrenstellen eingegeben, angezeigt und hoffentlich behoben werden, erläutert Evelyn Sindermann. „Die Pilotphase verlief sehr positiv, jetzt geht es in die erste Testphase.“ Nächsten Samstag will das Radbündnis Filder mit der konzertierten Nudel-Aktion auf die seit Mai 2020 novellierte Straßenverkehrsordnung aufmerksam machen, die Autofahrern einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern beim Überholen von Radfahrern vorschreibt, außerorts sogar zwei Meter.

 

 

Interesse, Aktion und Mitarbeit

Wer Interesse hat und aktiv mitarbeiten möchte, kann sich bei Evelyn Sindermann unter sindermann.evelyn@ gmail.com oder 07 11 / 50 46 44 04 melden.