Soziale Fürsorge ist von Corona-Beschränkungen ausgeschlossen: So gelingt es dem Degerlocher Frauenkreis, der in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, auch in diesen Wochen, Menschen zu erreichen.

 

 

Die Sitzbank vor dem He­lene-Pfleiderer-Haus steht für Begegnungen, auch jetzt, wo die Corona-Pandemie die Engagierten vom Degerlocher Frauenkreis (DFK) in vielen Bereichen ausbremst. „Die Nachbarschaftshilfe arbeitet, aber eingeschränkt. Viele, die noch nicht so hilfsbedürftig sind, sagen aus Angst ab. Doch für alle, die uns brauchen, sind wir da“, erklärt Elisabeth Eiche, die Vorsitzende. Seit 1951 gibt es den Frauenkreis. „Die streitbaren Weiber von Degerloch“, so nannte der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett die Gründerinnen um Agnes Kneher. Viele Frauen und Männer engagieren sich in der Begegnungsstätte, der Nachbarschaftshilfe, dem Besuchsdienst. „Wir haben zwölf Hauptamtliche in Teilzeit und rund 100 Ehrenamtliche, und zurzeit rufen viele an, die mithelfen wollen“, sagt Elisabeth Eiche.

Die Bürger zur Teilnahme am Gemeindeleben zu gewinnen, war und ist das Ziel. „Hinter uns stehen kein Wohlfahrtsverband und keine Kirche, und genau das macht uns aus“, erklärt Elisabeth Eiche. Wenn nicht gerade eine Pandemie die Welt in Atem hält, organisiert der DFK Kurse, Vorträge über aktuelle Themen und Podiumsdiskussionen, Veranstaltungen wie Flohmarkt, Markt Helene, Tag der offenen Tür oder Ausstellungen – und betreibt ein offenes Café in der Begegnungsstätte im Helene-Pfleiderer-Haus sowie ein Wohncafé in der Schöttlestraße 12. „Dort gibt es nach wie vor zweimal in der Woche einen Mittagstisch, denn soziale Fürsorge ist von Corona-Beschränkungen ausgenommen, und die Leute sind dankbar dafür“, berichtet Elisabeth Eiche.Die Begegnungsstätte, die sonst ein Programm für Jung und Alt hat, muss leider geschlossen bleiben. Die Mitarbeiter machen Bastelangebote zum Mitnehmen nicht nur für Kinder. „Wir deponieren die Päckchen vor dem Haus“, erklärt die Vorsitzende. Auch der Bücherkorb vor der Tür wird täglich neu befüllt.

„Ganz neu ist, dass wir Senioren beim Online-Buchen von Impfterminen helfen. Und wir haben viele Freiwillige, die mit älteren Menschen spazieren gehen. Die frische Luft und das Reden tun gut“, erzählt Elisabeth Eiche. Auch telefonisch ist der DFK immer erreichbar. Mit den Stammgästen des offenen Cafés werden Telefonkonferenzen im Festnetz organisiert. „Ich wusste auch nicht, dass es das gibt, aber es ist gut für alle, die es nicht so mit Internet und Videokonferenzen haben.“ Gespräche seien wichtig gegen die Einsamkeit, ist die Vorsitzende überzeugt. „Die Leute müssen reden. Aber viele ziehen sich sogar noch mehr zurück, deshalb müssen wir nach den Alten gucken.“ Die Corona-Pandemie bringt dem Verein auch finanzielle Verluste. „Wir sind froh, dass unsere Mitglieder nicht abspringen, dass die Spenden weiter fließen und wir von der Helene-Pfleiderer-Stiftung und der Stadt unterstützt werden“, erklärt Elisabeth Eiche. Die Vorsitzende hofft, dass spätestens im April ein bisschen Normalisierung einkehrt. Vielleicht kann der Degerlocher Frauenkreis dann sogar sein 70-Jahr-Jubiläum zumindest im kleineren Rahmen feiern. „Das Fest zum 20. Geburtstag des Helene-Pfleiderer-Hauses im vergangenen Jahr musste ja leider ausfallen“, sagt Elisabeth Eiche.

 

 

Der Degerlocher Frauenkreis

Mehr über den Degerlocher Frauenkreis gibt es im Internet unter: www.degerlocherfrauenkreis.de Die Telefonnummer: 07 11/ 7 22 09 70