Gertrud Bader sammelt seit elf Jahren mit ihren Pralinen Spenden für das Hospiz St. Martin in Degerloch.

 

 

Den Hinweis mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum könnte sich Gertrud Bader sparen. Ihre handgefertigten Pralinen überleben nicht so lange. Zu verführerisch sind die süßen Kompositionen aus fein aufeinander abgestimmten Zutaten. Seit elf Jahren kreiert die gelernte Hauswirtschaftsleiterin die kleinen Kostbarkeiten aus Schokolade, Sahne, Kakaobutter, Vanille, Kräutern und Alkohol zugunsten der Katholischen Hospizstiftung Stuttgart, die das finanzielle Rückgrat des Hospiz St. Martin ist. Nun hat die ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiterin die Marke von 20 000 Euro an Spenden mit ihren Schleckereien geknackt. Am Samstag war Gertrud Bader wieder mal auf dem Wochenmarkt in Degerloch an ihrem angestammten Platz vor dem Helene- Pfleiderer-Haus. 1200 Hospiz-Pralinen, zehn verschiedene Sorten, hatte die 56-Jährige vorbereitet, bunt gemischt in Klarsichttütchen verpackt und mit einem roten Bändchen versehen. Lange vor Markt­ende waren alle Pralinen verkauft. Wie immer hatte Gertrud Bader ein paar neue Kreationen in die Tütchen gepackt: Marillen-Rosmarin-Trüffel, Pflaume-Zimt-Trüffel, Tonka-Cassis-Trüffel oder Limoncello-Trüffel. Die Rezepte entstehen in ihrem Kopf und werden in ihrer Küche in Füllungen verwandelt. „Ich habe nach so vielen Jahren als Hauswirtschaftsleiterin eine gute Geschmacksvorstellung“, erklärt Gertrud Bader, die erst Sahne erhitzt, mit Schokolade vermischt, um die Masse mit weiteren natürlichen Zutaten zu einer zart schmelzenden Füllung zu verarbeiten.

„Geschmacksverstärker und Glukosesirup kommen bei mir nicht hinein.“ Dafür gerne was Hochprozentiges, und neben Schnäpsen und Likören ab und an Kräuter. Einige Stängel des prächtigen Thymians aus ihrem Garten in Birkach hat sie in neuen Kreationen verarbeitet, nachdem sie ihn getrocknet und pulverisiert hatte. 2009 wurde im Hospiz eine Kinderspielecke benötigt. Es war die Geburtsstunde der süßen Spendenaktion. Seit elf Jahren füllt die Hobby-Pralinenbäckerin meist im Frühjahr und im Herbst unzählige Hohlkörper aus Vollmilch-, Zartbitterschokolade und weißer Schokolade mit ihren Trüffelmischungen. 20 400 Euro hat sie auf diese genussvolle Weise für die Stiftung und das 2007 in der Jahnstraße in Degerloch eröffnete Hospiz St. Martin gesammelt, in dem Gertrud Bader seit 13 Jahren Sterbende und Trauernde jeden Alters begleitet.

Im St. Martin gibt es das stationäre Hospiz mit acht Plätzen, die ambulante Lebens- und Sterbebegleitung für Erwachsene, die ambulante Begleitung von Kindern und Jugendlichen und die Trauerbegleitung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das vergleichsweise kleine hauptamtliche Team im Hospiz St. Martin lebe vom Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter, die das Haus in allen Bereichen unterstützen und mittragen, erzählt Margit Gratz, die Hospiz-Leiterin. „Unsere Arbeit finanziert sich zu einem wesentlichen Teil von Spenden. Die Hospiz-Pralinen von Gertrud Bader sind deshalb eine tolle Sache.“ Viele Stammkunden schätzen das Naschwerk, das Gutes tut. Die 1200 Stück waren am Samstag rasch vergriffen. „Eine Frau meinte, wenn schon der Weihnachtsmarkt ausfällt, sei zum Glück wenigstens ich mit meinen Pralinen da“, sagt Gertrud Bader.

 

 

Hospiz St. Martin

Mehr Informationen über das Hospiz St. Martin in Degerloch sowie die Stiftung gibt es im Internet unter www.hospiz-st-martin.de.