Der sechsspurige Ausbau der B 27 zwischen Aichtal und Leinfelden-Echterdingen wird nicht von allen begrüßt.

 

 

Der Ausbau der Bundesstraße 27 auf sechs Spuren zwischen Aichtal und Leinfelden-Echterdingen-Nord wird entlang der Strecke unterschiedlich aufgenommen. Filderstadts Ober­bürgermeister Christoph Traub kritisiert, dass die Straße dem politischen Ziel der Verkehrswende entgegensteht, den Individualverkehr bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren, und hat Gesprächsbedarf angemeldet. „Man sollte eher versuchen, die Planung auf Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Umweltrelevanz einschließlich des Landverbrauchs hin zu prüfen, als das gesamte Vorhaben wieder infrage zu stellen“, sagt derweil Roland Klenk, Traubs Amtskollege aus Leinfelden-Echterdingen. Täglich bis zu 91 600 Autos verkehren laut einer Zählung von 2018 auf Deutschlands meistbefahrenem Bundesstraßenabschnitt. Bis 2035 wird eine Zunahme auf mehr als 100 000 Fahrzeuge vorausgesagt.

„Die Lösung kann nicht im Bau von Straßen liegen“, sagt OB Traub, „wir brauchen intelligentere Verkehrsleitideen.“ Nicht nur im Rathaus formiert sich Widerstand. Die Freien Wähler Filderstadt kritisieren das Projekt, unter anderem aus ökologischen und klimatologischen Gründen – und liegen auf einer Linie mit den Grünen aus Leinfelden-Echterdingen. Für den Ausbau werden, je nach Variante, entlang der Ausbaustrecke 14 bis 21 Hektar landwirtschaftlicher Nutzflächen versiegelt. In den Reihen der Landwirte will man den Flächenfraß nicht kommentarlos hinnehmen. „20 Hektar, das ist ein Betrieb“, erklärt Ernst Schumacher, der landwirtschaftliche Obmann aus Bernhausen. Eine Wahl werden die Bauern laut Tobias Briem, der dem Kreisbauernverband Esslingen vorsteht, aber kaum haben.

„Wir haben in Deutschland das Problem der Enteignung. Der Bund als Bauherr macht ein Angebot, dann heißt es: Friss oder stirb.“ „Wir bauen eine im Ergebnis achtstreifige Straße, wenn die diskutierte Seitenstreifen-Freigabe umgesetzt wird, die drei Stunden am Tag beansprucht wird. Pendler gewinnen in dieser Zeitspanne rund zwölf Minuten. Das ist völlig konträr zu einer nachhaltigen Stadt“, sagt Christoph Traub. Der OB will das Thema im Gemeinderat noch einmal auf den Tisch bringen und strebt weitere Gespräche an.

Roland Klenk sieht die Weiterführung des Projekts und die Entwicklung neuer Verkehrsleitideen – einem Ausbau des Schienenverkehrs und neue P+R-Parkhäuser am Rand der Region – nicht als Widerspruch. Sollte dereinst eine der Fahrspuren für Autos nicht mehr benötigt werden, so könne man sie für elektrische Expressautobusse exklusiv nutzen. „Aber ich sehe mit Sorge die immer länger dauernden Diskussions- und Planungszeiträume bei solchen Vorhaben – und die entstehenden Kosten.“

 

 

Planungen zur B 27

Vor rund fünf Jahren wurde die B 27 in die vordringliche Bedarfsplanung des Bundesverkehrswegeplans eingestuft. Nun sind die Voruntersuchungen abgeschlossen, und der Ausbau auf einer Länge von gut zehn Kilometern soll bis 2030 erfolgen.