Die typische schwäbische Kulturlandschaft wird an diesem Freitag erstmals europaweit gefeiert – mit dem „Tag der Streuobstwiesen“.

 

 

Die Apfelblüte ist spät dran in diesem Jahr. „Das liegt am Frost und an den niedrigen Temperaturen unter zehn Grad im März“, sagt Claudia Arold vom Umweltreferat der Stadt Filderstadt. Auf den Fildern gehören Streuobstwiesen zum typischen Landschaftsbild. Allein auf der Gemarkung von Filderstadt finden sich rund 250 Hektar der wertvollen Fläche, die der Naturschutzbund Deutschland (NABU) als „Hotspots der biologischen Vielfalt“ bezeichnet. Am 30. April wird erstmals der europaweite „Tag der Streuobstwiesen“ gefeiert. Anlässlich des neuen Ehrentags bietet das Filderstädter Umweltschutzreferat an, kostenlos die Obstsorten auf örtlichen Streuobstwiesen zu bestimmen. Mit mehr als 100 000 Hektar besitzt Baden-Württemberg die größten zusammenhängenden Streuobstbestände in Europa.

Streuobstwiesen sind ein wertvolles und schützenswertes Gut und wurden erst kürzlich in die deutsche Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Mit dem „Tag der Streuobstwiese“, der künftig jährlich am letzten Freitag im April begangen wird, soll die Bedeutung dieser Biotope für die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Gesellschaft in ganz Europa hervorgehoben und gewürdigt werden. Allein in den hochstäm­migen Streuobstwiesen Deutschlands leben, wachsen und gedeihen laut dem NABU weit mehr als 5000 Tier-, Pflanzen- und Pilz­arten sowie rund 6000 Obstsorten. In Filderstadt ist die Bedeutung der Kulturlandschaft schon längst erkannt worden. Der Streuobstlehrpfad in Bonlanden – zwischen Herrenholz, dem Hofgut Gutenhalde und Sandbühl – wurde am 15. April 2018 eingeweiht.

82 Schilder geben zu jeder Sorte eine kurze Information, und er versteht sich deshalb auch als Sortenlehrpfad. Dazu gibt es vier größere Infotafeln, unter anderem mit Hinweisen zu Flora und Fauna oder Baumpflege und Veredelung. „Die Streuobstwiesen leisten für die Bereiche Kleinklima, Boden und Wasser, den Artenschutz sowie die Naherholung der Menschen unbezahlbare Dienste“, erläutert Claudia Arold vom Leitungsduo des Umweltschutzreferats. Schon deshalb seien diese Flächen ökologisch unersetzbar, ergänzt ihre Kollegin Simone Schwiete. Die genaue Erfassung und Dokumentation der Filderstädter Streuobstwiesen ist zwei engagierten Bürgern zu verdanken.

Dr. Walter Hartmann, ehemals an der Universität Hohenheim, und Eberhard Mayer von der Biotopkartiergruppe Filderstadt haben ehrenamtlich von 2009 bis 2014 örtliche Hochstämme im Außenbereich kartiert. Insgesamt 24 211 Obstbäume haben sie aufgenommen, wobei eingezäunte Kleingärten und Erwerbsobstanlagen nicht berücksichtigt wurden.

Allein die Aufnahme von Daten im Gelände hat pro Jahr zwischen 200 und 300 Stunden in Anspruch genommen. „Dank der Kartierung haben wir auch Daten über die Mistel bekommen, die sich in jüngster Zeit immer mehr verbreiten. Schuld daran sind auch die trockenen Sommer, die die Bäume stressen und weniger widerstandsfähig machen. Und viele denken, die Misteln stünden unter Naturschutz, aber das stimmt nicht. Sie dürfen jederzeit geschnitten werden“, so die Umweltschutzreferen-tin Arold.

 

 

Zur Obstsortenbestimmung

Wer seine Sorten bestimmen lassen will, kann sich bei umweltschutz@filderstadt.de sowie telefonisch, von 9 bis 12 Uhr, unter Telefon 70 03-6 49 melden. Eigentümer, die an einer Obstsortenbestimmung interessiert sind, sollten die entsprechende Flur­stücksnummer und den oder die ins Grundbuch eingetragenen Besitzer parat haben.