Weltgrößte Feldversuche mit ausgefallenen Sorten beim Urgetreide-Fachtag in Hohenheim.

 

 

Einkorn, Emmer, Dinkel – für lange Zeit galten diese Getreidearten schon fast als verschwunden. Doch innerhalb der letzten Jahre haben die Sorten einen regelrechten Boom erlebt. Bäckereien, Konditoreien und andere Backstuben experimentieren mit immer neuen Kreationen; schließlich sind Kundinnen und Kunden auf den Geschmack gekommen, was Einkorn, Emmer und Dinkel angeht.

„Die vermutlich weltgrößten Versuche mit Emmer und Einkorn haben wir in den vergangenen Monaten und Jahren direkt hier auf unserem Feld durchgeführt“, verkündet Professor Dr. Friedrich Longin von der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim stolz über seine Versuchsfelder. Beim Fachtag haben sich Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft, Züchtung, Müllerei und Bäckerei getroffen. Rund um das Thema Urgetreide wurde sich über die Möglichkeiten und Chancen ausgetauscht, die die besonderen und fast schon vergessenen Getreidesorten so bieten.

Das Wort „Urgetreide“ meidet Longin allerdings und bemängelt: „Urgetreide ist kein wissenschaftlicher Begriff. Es ist eigentlich nur ein Marketingname, schließlich ist es reine Auslegungssache, was dort alles dazugezählt wird. Ich würde viel eher das Getreide an sich benennen oder eine komplett neue Marke erschaffen“.

Marke schaffen, dies war auf dem Fachtag ebenfalls ein großes Thema. Es ist ein langer Weg des Getreides bis hin zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Vom Züchter der Getreidesorten, über den Landwirt zum Müller, von dort aus zum Bäcker oder Konditor und letztendlich zu den Kunden. Wer da nicht mit den aktuellen Marketingstrategien mitzieht, kann schnell den Draht zum Konsumenten verlieren. Vor allem, da sich Interessen und Geschmäcker ändern können – und das heutzutage schneller als je zuvor. Daher sei die richtige Vermarktung des Urgetreides von äußerst hoher Wichtigkeit.

Sebastian Brücklmaier ist Bäckermeister, Konditor und Betriebswirt und arbeitet selbst in einem familiengeführten Betrieb mit acht Filialen. „Einkorn und Emmer bietet uns unglaublich vielseitige Möglichkeiten: Vom klassischen Brotbacken, zu süßen, aber auch herzhaften Spezialitäten – vollkommen zurecht sind diese Getreidearten nun wieder in aller Munde.“

Den Besucherinnen und Besuchern des Fachtags erklärte Brücklmaier, wie genau die Premiumbackwaren gelingen. Denn dies sei sehr stark davon abhängig, wie man beim Backprozess vorgeht – kleine Veränderungen führen dabei zu großen Unterschieden, betonte der Profi. „Bei den exakt gleichen Zutaten und der gleichen Menge, aber einer leicht unterschiedlich langen Knetdauer des Teiges können am Ende komplett unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden“, zeigte der Bäckermeister anhand von Vergleichsfotos seiner Backversuche.

Bei der Besichtigung auf den eigenen Versuchsfeldern der Universität stellte Professor Dr. Friedrich die Sortenversuche zu Einkorn, Emmer und Dinkel genauer vor. Beispielsweise wurde das Getreide in unterschiedlichen Höhen gezüchtet, um so die idealen Anbauverhältnisse der jeweiligen Sorten herausfinden zu können. „Landwirte und Müller sollten beachten, dass die drei Sorten weniger Ertrag bringen als der Weizen – das schlägt sich dann natürlich auch beim Preis nieder. Daher ist bei der Planung eine jahrelange Kooperation der Partner auf Augenhöhe, eine Abnahmegarantie und die Preissicherheit besonders wichtig“, so Friedrich Longin.

 

 

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