Joachim Henrichsmeyer ist bei der Blutspenderehrung der Stadt Leinfelden-Echterdingen ausgezeichnet worden.

 

 

Die ersten paarmal, das gibt Joachim Henrichsmeyer aus Leinfelden-Echterdingen offen zu, habe er es für Geld getan. Das war während seines Studiums in Tübingen. „Für einen Studenten waren 40 Mark eine Menge Geld, und was zu essen gab es auch noch“, erzählt der 61-Jährige. Längst ist er nur mit einem Vesper zufrieden und geht trotzdem noch immer regelmäßig zum Blutspenden. Sein Körper habe sich an die regelmäßigen Blutabgaben gewöhnt, sagt Joachim Henrichsmeyer. „Ich bin auf den Zwei-Monats-Rhythmus geeicht.“ Seit dem ersten halben Liter, den er sich im Herbst 1980 abzapfen ließ, bis heute ist Joachim Henrichsmeyer 150-mal freiwillig an die Nadel gegangen, wofür er von der Stadt und dem Deutschen Roten Kreuz geehrt wurde. Die erste Blutspendeaktion in Baden-Württemberg fand am 14. Januar 1958 in der Ludwig-Uhland-Schule in Leinfelden statt.

Die Stadt auf den Fildern weiß also schon lange um die Bedeutung von Blutspenden – und von Spendenwilligen. Damals kamen 128 Menschen zur freiwilligen Unterstützung von Menschen in Not. Leinfelden-Echterdingen war somit eine Art Pilotprojekt für viele Tausende Blutspenden, die zwischenzeitlich in ganz Baden-Württemberg jährlich geleistet werden. Bei der diesjährigen Ehrung hätte Oberbürgermeister Roland Klenk mit Bereitschaftsleiterin Tanja Nill und Bereitschaftsleiter Ron Wüst eigentlich 47 treue Spender ehren können. Doch aufgrund der Pandemie-Lage kamen mit Joachim Henrichsmeyer nur Ronny Assmann und Klaus Eckhardt, die beide 100 Spenden geleistet haben, zur Feierstunde ins Rathaus. „Ich habe eine App, die sagt mir, wann ich das nächste Mal spenden darf und wo es Blutspendetermine im Umkreis von 20 Kilometern gibt“, erzählt der gebürtige Rheinländer, der nach seiner Universitätszeit im Schwabenland hängen geblieben ist.

Denn wann immer es geht, hält Joachim Henrichsmeyer die maximale Anzahl von sechs Blutspenden pro Jahr ein. „Ich bin Links- und Rechtsspender“, erklärt der Mann mit der Allerweltsblutgruppe 0 positiv, der sich schon die nächsten für ihn möglichen Termine ausgeguckt hat. Seine Motivation sei einfach erklärt, sagt er. „Ich kann nichts einfordern, was ich nicht selbst bereit bin, zu geben.“ Heinrichsmeyer findet es schade, dass so wenige seinem Beispiel folgen. „Der Großteil der Menschen zwischen 18 und 72 Jahren könnte spenden gehen, aber die wenigsten tun es. Sich immer nur rauszunehmen, funktioniert in unserer Gesellschaft jedoch nicht.“

Weil die Corona-Pandemie die Zahl der Blutspende-Termine und auch die Spendenbereitschaft beeinflusst, sind die Blutkonserven in Deutschland, und vor allem in Baden-Württemberg, derzeit recht knapp. „Ich kann das nicht verstehen. Wenn alle Regeln eingehalten werden, kann nichts passieren“, sagt Joachim Henrichsmeyer, der gerade jetzt regelmäßig auf die Liege geht und sich mit der Nadel piksen lässt. Er kann dem vom Virus diktierten Ablauf der Spende durchaus etwas abgewinnen. Früher habe das ganze Prozedere oft stundenlang gedauert, mit vorheriger Anmeldung und festem Termin gehe es schneller. Potenziellen Erstspendern rät er, auf alle Fälle vorher etwas zu essen. „Ich habe schon einige umfallen sehen.“

 

 

Termine

Möglichkeit zum Blutspenden gibt es am Montag, 7. Dezember, von 15.30 bis 19.30 Uhr in der Festhalle Stetten in der Jahnstraße 60­ a. Gespendet werden kann nur mit vorheriger Terminreservierung unter https://www.drk-blutspende.de/blutspendetermine/termine/177858.