Elke Hahn aus Leinfelden-Echterdingen will mit ihren Häkeleien die Welt ein bisschen besser machen – 3000 bunte gehäkelte Schmetterlinge landeten in einem großen Kastanienbaum am Eugensplatz.

 

 

Elke Hahn hat vielen Menschen in Stuttgart im Corona-Winter ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Fast 3000 bunte Schmetterlinge aus Wolle waren dank der 59-jährigen Häkel-Queen aus Leinfelden-Echterdingen und ihrer gut 40 Frauen starken, bundesweit aktiven Yarngang im Januar in einem großen Kastanienbaum auf dem Eugensplatz gelandet.

Die Schmetterlinge sind mittlerweile weggeflogen – sie wurden noch vor der Blüte abgehängt – doch die Aktion hat von München bis Hannover Nachahmer gefunden. Die Schmetterlinge vom Eugensplatz sollten ein wenig Freude in die trostlose Lockdown-Zeit bringen. Denn Elke Hahn will mit ihren Maschen durchaus etwas aussagen und die Welt ein bisschen besser machen.

Das erste Mal ist ihr das vor mehr als fünf Jahren gelungen. Im Internet hatte sie Fotos von Bäumen entdeckt, die mit Maschen umgarnt waren. „Das fand ich klasse und habe begonnen Hauben für Straßenpfosten zu häkeln“, erzählt Elke Hahn über ihre Anfänge in Yarn-Bombing wie sich sich die Straßenkunst nennt, bei der Menschen das Stadtbild mit ihren wolligen Werken verschönern. Daheim traute sie sich damit nicht nach draußen, aber in Dresden. „Ich war dort auf Urlaub und hatte einige auf ein paar Pfosten an einer Straßenbahnstation gesteckt. Dann habe ich mich in einem Hauseingang versteckt und die Leute beobachtet. Die meisten haben kurz innegehalten und gelächelt.“

Mit Pfostenmützen hat Elke Hahn Geschichte geschrieben. 111 davon hat sie gehäkelt und über ebenso viele Pfosten auf der Messe-Piazza in Leinfelden-Echterdingen gestülpt – Weltrekord. Wobei die Frau mit den flinken Fingern nicht nur einfache Wolle-Überzieher gehäkelt hat, sondern Büsten bekannter Figuren wie Asterix, Obelix, Idefix, Schlümpfe, Ernie und Bert oder Blues Brothers. Einige davon hat Elke Hahn für einen guten Zweck versteigern lassen. „Der Star war Garfield, er hat 70 Euro gebracht. Insgesamt sind 900 Euro für die Duchenne Stiftung zusammengekommen, die die Forschung an dieser Form der Muskeldystrophie unterstützt und Familien, in denen diese Erbkrankheit vorkommt.“ Bei der 59-Jährigen fallen Randgruppen nicht durch die Maschen: Elke Hahn setzte einen wolligen Bettler vor das Neue Schloss in Stuttgart, eine Rollstuhlfahrerin auf einen Aussichtspunkt über dem Kessel und einen Punk mit Hund an den Feuersee.

Zehn bis zwölf Stunden braucht sie für ihre rund 30 Zentimeter großen Figuren, die allerdings vergänglich sind. Entweder werden sie von Fans mitgenommen, oder von Wind und Wetter zerfleddert. Manchmal werden sie auch Opfer von Vandalismus. Als ihr Tony Marshall, der in der Fußgängerzone in Baden-Baden auf einer Bank saß, von Unbekannten zerstört wurde, hat sie ihn wieder heil gemacht und ihm – mit einem Augenzwinkern – zwei gehäkelte Bodyguards zur Seite gestellt. Für Münster, das sie demnächst besucht, entstehen gerade Günther Jauch, der aus der Stadt stammt, und das Tatort-Team aus Münster mit den Schauspielern Axel Prahl, Jan-Josef Liefers sowie der Schauspielerin Christine Urspruch.

Auch außerhalb Deutschlands ist Elke Hahn mit ihrer Häkelkunst gefragt. Sie war beim „Yarn-Bombing-Festival“ im italenischen Mailand, beim textilen Kunstfestival im schweizerischen Rossinière sind noch bis September Figuren und Schmetterlinge im öffentlichen Raum zu sehen und im November geht es zu einer Kunsthandwerk-Messe nach Mexiko-City. „Mit Häkeln kommt man international herum“, sagt Elke Hahn und lächelt.