Bei den archäologischen Grabungen im Gebiet Schelmenäcker werden Spuren der ersten Leinfeldener gefunden.

 

 

Ein wenig Fantasie braucht es schon, um sich vorzustellen, wie die ersten Leinfeldener gelebt haben könnten. Von ihrer Existenz ist nicht viel mehr übrig als ein paar Scherben und unterschiedlich gefärbte Erdschichten, in denen die Fachleute vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) jedoch wie in Büchern lesen können. Die archäologischen Grabungen im Schelmenäcker haben es ans Tageslicht gebracht: Siedler aus der Jungsteinzeit wurden schon vor rund 8000 Jahren genau an jenem Platz sesshaft, an dem die Stadt ab Herbst ein neues Quartier errichtet – mit 230 Wohnungen für rund 600 Menschen.

Die ersten Siedler, die sich in der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends vor Christus in Leinfelden breitmachten, waren kaum so zahlreich. Ihre Kultur wird nach der Verzierungsart der Keramikgefäße in Form von eingeritzten, bandförmigen Mustern als linearbandkeramische Kultur bezeichnet. Die Bandkeramiker wurden auf rund drei Hektar Land sesshaft, das sich vom Bereich nördlich der Max-Lang-Straße bis an die S-Bahn-Trasse im Süden erstreckt. Bereits beim Bau der Schienentrasse vor fast 30 Jahren waren Reste von Häusern und Keramiken der Filder-Bauern aus der Jungsteinzeit gefunden worden.

Da das künftige Wohnquartier im Bereich der damaligen Fundstätte liegt, wurden die Flächen vom LAD vorab untersucht. „Jetzt kann der Plan vervoll­ständigt werden“, erklärte Leinfelden-Echterdingens Oberbürgermeister Roland Klenk. Seit Juni buddelt das archäologische Team im neuen Wohnquartier Schelmenäcker nach Relikten der Ur-Leinfeldener. Mittlerweile wurden Grundrisse von mehreren jungsteinzeitlichen Langhäusern freigelegt, die 20 bis 30 Meter lang sind und in denen zwei bis drei Generationen unter einem Dach lebten.

„Zwei Häuser haben wir schon umfangreich erfasst“, berichtete Jörg Bofinger, der Leiter des Referats Operative Archäologie am LAD, beim „archäologischen Spaziergang“ mit Interessierten zu den Grabungsstätten. Für ihn steht fest, dass in Leinfelden ein Dorf der frühesten bäuerlichen Siedler in Südwestdeutschland war. Neben der jungsteinzeitlichen Siedlung stießen die Archäologen zudem auf eine kleine, hochmittelalterliche Siedlungsstelle am westlichen Rand des Untersuchungsgebiets.

 

 

Inspiration

Bei der Planung der Freiflächen im neuen Stadtquartier ist das Wissen um die frühesten Siedler bereits mit eingeflossen. Auf einem „Entdeckerspielplatz Mammut“ sollen Kinder spielerisch Steinzeitgeschichte erleben können.