Das Deutsche Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen feierte seinen 40. Geburtstag – Wer den Weg in den Keller der Schönbuchschule nicht scheut, wird mit Spielkartenschätzen belohnt.

 

 

Vorsichtig baut Annette Köger, die seit 26 Jahren das Spielkartenmuseum leitet, das Minimodell der Kartenstadt auf. Schon die kleine Fassung ist faszinierend. Doch bald schon wird die imposante Originalskulptur, 3,20 Meter hoch und 4,60 Meter im Durchmesser, in den Katakomben der Schönbuchschule in Leinfelden zu sehen sein. Das Deutsche Spielkartenmuseum feiert 2022 sein 40-Jahr-Jubiläum in öffentlicher Hand, der Förderverein wird 2023 40 Jahre alt. Die begehbare Kartenstadt, die am Sonntag, 27. November, eröffnet wird und bis Mitte Januar im Museum aufgebaut ist, bevor sie anschließend in der Region auf Wanderschaft geht, soll das Museum mit seiner weltweit bedeutenden Sammlung an Kulturschätzen repräsentieren.

„Die Skulptur ist wie ein Botschafter des Museums“, sagt Annette Köger. 2005 erhielt das Deutsche Spielkartenmuseum die Auszeichnung „Besondere Sehenswürdigkeit der Region Stuttgart“. Dabei ist Europas größte öffentliche Spielkartensammlung nicht in einem schmucken Kartenhaus untergebracht. Das sogenannte Schaudepot und das Archiv fristen eher ein Schattendasein im Untergeschoss der Grundschule in der Schönbuchstraße 32 in Leinfelden. Wer den Weg nach unten nicht scheut, auf den warten Schätze: Orakelstäbe aus Elfenbein, Spielkarten aus echtem Silber, japanische Muschelkarten oder Karten mit edlen Stickarbeiten aus Seide und Brokat. „Wir haben hier feinste Pralinen, aber die Verpackung ist nicht ganz so edel“, meint Annette Köger, die ihre wechselnden Ausstellungen mittlerweile alle im Stadtmuseum in der Hauptstraße 79 in Echterdingen zeigt. Über 30 000 Kartenspiele mit mehr als einer Million Einzelkarten aus sieben Jahrhunderten und von fünf Kontinenten, dazu Kartenpressen, Spieltische und eine umfangreiche Spezialbibliothek beherbergt das Museum.

Besonders die Sammlung der asiatisch-indischen Spielkarten gilt als die umfassendste und schönste weltweit. „Die ältesten Spielkarten in unserer Sammlung stammen aus der Zeit um 1450“, sagt Annette Köger. Der Standort in Leinfelden-Echterdingen macht Sinn. In der Stadt auf den Fildern produzierten einst die 1765 gegründete Altenburger und Stralsunder Spielkarten-Fabriken, kurz ASS AG. Paul Angrik hat dort mehr als 30 Jahre in leitender Position gearbeitet, und er war Gründungsmitglied des Spielkartenmuseums sowie Mitglied im Förderverein. In seinem Testament hatte er verfügt, dass das Spielkartenmuseum seine umfangreiche Bücher- und Spielkarten-Sammlung bekommt. Seine Tochter Elke Angrik-Becker und ihr Mann Martin Becker haben mittlerweile die umfangreiche Sammlung mit vielen Kleinoden an Annette Köger übergeben.

 

 

Gut zu wissen: Am Sonntag, 27. November, ist das Deutsche Spielkartenmuseum in der Schönbuchstraße 32 in Leinfelden von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Danach ist zur Besichtigung im Schaudepot für Einzelbesucher und Gruppen, auch im Rahmen einer Gästeführung, eine telefonische Voranmeldung unter 07 11 / 7 56 01 20 nötig.