Debatte um Standort im Möhringer Spitalhof spaltet nach knapp fünf Monaten Befürworter und Gegner – Kontroverse droht den Händlern zu schaden.

 

 

Nur rund 400 Meter Fußweg liegen zwischen dem historischen Spitalhof und dem Oberdorfplatz in Möhringen. Doch es scheint als lägen tiefe Gräben zwischen den beiden Orten. Seitdem der samstägliche Wochenmarkt vom Standort rund um die Martinskirche in eines der ältesten Gemäuer Möhringens, den 1469 erbauten Herrenhof, umgezogen ist, spaltet sich die Bürgerschaft in Befürworter und Gegner des neuen Standorts.

Schon seit Anfang Januar gibt es frisches Gemüse, Obst, Blumen, Käse und vieles mehr im Spitalhof, aber noch immer schlagen die Wellen hoch. So hoch, dass Christian Dempf, Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins (GHV), eher ein Problem in der Diskussion als im neuen Standort selbst sieht, der prinzipiell von den GHV-Mitgliedern „sehr positiv gesehen“ werde, wie er sagt. „Aber sie trauen sich nicht, das Positive nach außen zu tragen, weil sie Angst haben, dass die Gegner des neuen Standorts dann nicht mehr bei ihnen einkaufen.“ Dabei waren die Wirtschaftsförderung Stuttgart und der GHV an den Bezirk herangetreten und hätten den Umzug des Wochenmarkts in den Spitalhof vorgeschlagen, um die Einkaufsstraße wieder zu beleben, nachdem mit der Schließung eines populären Drogeriemarkts ein Kundenmagnet weggefallen war. Manfred Korn gehört zu den ärgsten Kritikern des Umzugs, und er ist beileibe nicht allein.

Eine Liste mit 555 Unterschriften hat der engagierte Möhringer Ende April den Bezirksbeiräten übergeben, in der die Bürger die Rückkehr des Marktes an den seit 1974 gewohnten Standort auf dem Oberdorfplatz fordern. „Aber ich hatte den Eindruck, dass es die Vertreter gar nicht wirklich interessiert, und sie die Mitsprache der Bürger, die doch eigentlich gewünscht wird, den Trend zu lokaler Versorgung und die Unterstützung unseres gut gehenden Wochenmarktes, nicht recht ernst nehmen.“

Manfred Korn hat mehrere Kritikpunkte am Wochenmarkt im Spitalhof an der Filderbahnstraße. Es fehle an Parkplätzen, und viele ältere Möhringer kämen nun einmal mit dem Auto zum Markteinkauf, erklärt er. „Rund um die Martinskirche ist die Parksituation viel besser.“ Außerdem hätten es die Besteller dort einfacher mit dem Rangieren und Aufstellen ihrer sperrigen mobilen Verkaufsstände als in dem engen Hof mit dem schmiedeeisernen Tor und den schmalen Zufahrten. Vor allem aber missfällt Korn, dass der Entscheidung der Märkte Stuttgart GmbH, den Wochenmarkt zu verlegen, nicht eine Kundenbefragung voraus gegangen ist.

Ein Versäumnis, wie deren Geschäftsführer Thomas Lehmann mittlerweile selbst zugegeben hat. „Und wie viele andere habe ich mich über seine Aussage in der Bezirksbeiratssitzung geärgert“, berichtet Korn. Lehmann hatte mit Blick in Richtung Fasanenhof, wo es seit mehr als zwei Jahren keinen Wochenmarkt mehr gibt, gemeint, dass sich die Märkte Stuttgart manchmal über den Willen der Bürger hinwegsetzen müssten, um solche Entwicklungen zu verhindern.

Der Möhringer Bezirksvorsteherin Evelyn Weis wäre es am liebsten, wenn Ruhe in die Diskussion einkehrt. Ebenso wie Lehmann sieht sie die Gefahr, dass die Kontroverse den Ruf des Markts beschädigt. „Und wenn der Markt einmal am Kaputtgehen ist, ist es sehr schwer, ihn zu retten, egal wo.“

 

 

Öffnungszeiten und Verlegungen

Der Möhringer Wochenmarkt im Spitalhof kann am Samstag von 7 bis 12.30 Uhr besucht werden. Außerdem befinden sich im Stadtbezirk einige Hofläden. Verlegungen der Wochenmärkte in anderen Stadtteilen durch die Feiertage im Mai und Juni findet man unter www.stuttgarter-wochenmaerkte.de.