Sportpädagogin Sandra Rebmann warnt vor Bädersterben in Stuttgart – Corona hat die Welt auf den Kopf gestellt – Laufende Kosten müssen gedeckt werden.

 

 

Schon länger ist im Bädle im Pflegezentrum Münster niemand mehr ins 30 Grad warme und 1,20 Meter tiefe Wasser gesprungen. 2019 haben Sandra Rebmann und ihr Team von Baby-Kinderschwimmen-Stuttgart das von der Schließung bedrohte Bad in der Senioreneinrichtung übernommen und wieder mit Leben gefüllt. Davon zeugen die vielen Unterwasserbilder von lachenden Mädchen und Jungen an den Wänden. Wegen Corona droht die Rettungsmission nun zu scheitern. Sandra Rebmann will mit ihrer selbstständigen Schwimmschule, in der sonst jede Woche rund 800 Babys, Kinder, aber auch Erwachsene und Senioren Unterricht haben, das Bad im Pflegezentrum Stuttgart-Münster vor der endgültigen Stilllegung bewahren.

„Mein Team und ich investieren sehr viel Herzblut, Zeit, Energie und vor allem Kosten, damit in ruhiger und schöner Atmosphäre geplanscht und geschwommen werden kann. Bis im März 2020 Corona die Welt auf den Kopf gestellt hat, ist uns das auch sehr gut gelungen.“ Nicht nur wegen der Farbe, der Strandkörbe und Palmen, mit denen das Bad verschönert wurde, kamen auch die Bewohner des Pflegezentrums wieder gern ins Bädle. „Sie haben gesagt, sie fühlen sich hier wie im Urlaub“, erzählt die staatlich anerkannte Sportlehrerin und Erzieherin mit der Zusatz-Qualifikation „Kursleiter Babys in Bewegung“ des Deutschen Turner-Bunds und Kinderschwimm-Fortbildungen beim Württembergischen Schwimmverband. Die Pandemie befördert eine Entwicklung, die Sandra Rebmann schon seit geraumer Zeit mit Sorge beobachtet, nämlich, dass immer mehr Bäder in Stuttgart geschlossen werden und so womöglich immer weniger Kinder, aber auch Erwachsene schwimmen lernten. Sandra Rebmanns Schwimmschule war auch vom Bädersterben direkt betroffen. Das Schwimmbad im Robert-Bosch-Krankenhaus, das sie für zahlreiche Kurse nutzten, wurde im vergangenen Jahr geschlossen.

„Dabei war es unserer Ansicht nach auf dem neuesten und besten Stand“, erklärt Sandra Rebmann. Der Schwimmunterricht im Robert-Bosch-Krankenhaus ist Geschichte, und die Zukunft des Bädles in Münster mit dem etwa sieben auf drei Meter großen Becken ungewiss. Den ersten Lockdown haben Sandra Rebmann und ihr Team noch guter Dinge und mit viel Optimismus, wie sie sagt, gemeistert. Doch der zweite, nun schon seit November andauernde Stillstand, stellt sie und ihr Team vor eine große Herausforderung. „Es ist fast unmöglich, ohne Einnahmen die laufenden Kosten zu decken, und gleichzeitig noch ein sanierungsbedürftiges Bad vor dem Untergang zu retten“, erklärt Sandra Rebmann.

Bei der Stadtverwaltung hatte sie vergeblich um Unterstützung angefragt, obwohl das Sportamt mit der Baby-Kinderschwimmschule-Stuttgart zusammenarbeitet, etwa bei „Schwimm-Fit“-Kursen. Der Mietvertrag mit dem Pflegezentrum Münster läuft zehn Jahre. „Aber wir haben ein Sonderkündigungsrecht“, sagt Sandra Rebmann. Doch dann würde wieder ein kleines Bad in Stuttgart für immer schließen.

 

 

Spenden für das Bad

Wer helfen will, das Bädle in Münster zu erhalten, kann auf https://www.betterplace.me/rettet-unser-schwimmbad spenden. Mehr Infos auch unter http://www.baby-kinderschwimmen-stuttgart.de.

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