Ringer Frank Stäbler arbeitet im eigenen Trainingszentrum auf dem elterlichen Hof in Musberg auf die Olympischen Spiele 2021 hin.

 

 

Ohne Corona-Pandemie wäre Frank Stäbler schon Sportrentner. Am 5. August sollte sein großer Tag sein. Dann hätte der dreifache Ringer-Weltmeister aus Musberg bei den Olympischen Spielen in Tokio seine Wettkämpfe gehabt und am nächsten Tag – idealerweise mit der Goldmedaille um den Hals – seinen Abschied vom aktiven Sport verkündet. Doch die Spiele sind auf 2021 verschoben, und somit verzögert sich auch der Rücktritt des 31-Jährigen um ein Jahr. Statt Ringer-Ruhestand steht tägliches Mattentraining an. Im ehemaligen Hühnerstall auf dem elterlichen Hof, den sich Frank Stäbler mit viel Eigenarbeit und familiärer Unterstützung zum Trainingszentrum umgebaut hat. Eine Medaille bei Olympia ist das letzte Puzzlesteinchen, das Frank Stäbler in seiner erfolg­reichen Sportlerkarriere fehlt. Also hat er seine Zukunftspläne an die neue Situation angepasst. „Auch meine Familie zieht mit und hängt noch mal ein Jahr dran“, sagt er.

Die bereits weit gereiften Entscheidungen für das Leben nach dem Sport hat Frank Stäbler vorerst auf Eis gelegt. Statt sich auf eine Laufbahn als Motivationscoach und -redner vorzubereiten, trainiert er im umgebauten Stall, der nach dem Auszug der Hühner viele Jahre als Getreide­lager genutzt wurde. Dort hat sich Frank Stäbler auf 180 Quadratmetern sein „Wohninvest-Worldcamp“ geschaffen, inklusive Kraftraum. Und hier wird er sich in den kommenden Monaten auf den neuen Tag X im August 2021 vorbereiten. Er soll dann wirklich der finale Tag und möglichst zugleich sportliche Höhepunkt seiner Karriere sein. „Es wird für mich körperlich unsagbar schwer werden. Aber ich werde alles geben, und danach werden meine Ringerschuhe in Tokio stehen bleiben. Ich gehe ,all in‘“, sagt Frank Stäbler. Es ist aber nicht so, dass sich der Musberger zum Weitermachen zwingt. Jeden Tag seines Abschiedsjahres will Frank Stäbler bewusst erleben und genießen. Obwohl die zeitliche Verzögerung seine Chancen auf den Olympiasieg eher schmälert.

Mit 31 Jahren sei er schließlich nicht mehr der Jüngste und eine Schulter bereits nachhaltig geschädigt, erklärt Stäbler. „Neulich nach einer Trainingseinheit mit einigen jungen Wilden um die 20 habe ich abends gedacht, es wird ein verflucht langes Jahr bis Tokio 2021.“ Auch, dass er für sein Kampfgewicht neun Kilogramm abnehmen muss, erleichtert das Vorhaben nicht. „Das Abkochen wird mit dem Alter nicht einfacher.“ Mit Training allein wird Frank Stäbler zudem nicht in Bestform kommen können, er braucht Wettkämpfe. Dass der Deutsche Ringer-Bund entschieden hat, die Bundesliga im Oktober zu starten, ist für ihn eine gute Nachricht. „17 Vereine haben gemeldet. Die Red Devils Heilbronn, für die ich am Start war, haben leider zurückgezogen. Aber ich bin schon in Verhandlungen mit einem neuen Verein, und es könnte eine kleine Sensation werden“, erzählt Frank Stäbler augenzwinkernd.

 

 

Weltmeisterschaften

Zu den Weltmeisterschaften, die der internationale Verband im Dezember in Serbien ausrichten will, wird Frank Stäbler auch hingehen. „Sie passen genau in meine Vorbereitung hinein, und die Titelkämpfe sind ein perfektes Zwischenziel auf dem Weg nach Tokio.“