Corona-Krise macht vor nichts halt: Künstler wie Stuttgarterin Chris Nägele müssen schauen, wie sie über die Runden kommen.

 

 

Nelke, Mohn, Iris, Lilie und Rose erblühen in der Dämmerung und Nacht. Da die Menschen zurzeit nicht zur Kunst kommen können, hat der Kulturkreis Leinfelden-Echterdingen eine Corona-konforme Ausstellung organisiert. In fünf Fenstern der Galerie Altes Rathaus in Musberg, die seit Monaten geschlossen ist, erhellen Lichtkunstobjekte der Stuttgarter Künstlerin Chris Nägele die pandemische Dunkelheit. Der Kulturkreis Leinfelden-Echterdingen unterstützt Künstler auch dann, wenn fast nichts möglich ist. Mit der Ausstellung zeigen die Mitglieder des Kulturkreises Leinfelden-Echterdingen, wie die Kunst auch in diesen Zeiten die Menschen erreicht. „Da wir das Haus nicht öffnen können, musste es etwas sein, das von außen gut sichtbar ist“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Hauger.

Die Serie mit Blumennamen in grüner Neonröhren-Schrift trägt den Titel „Blühen“. Die Objekte senden täglich von 15 bis 20 Uhr ein leuchtendes Lebenszeichen in die Dunkelheit, die auch die Kultur ergriffen hat. Schon vor drei Jahren hatte Chris Nägele Arbeiten in der Galerie Altes Rathaus ausgestellt. Damals hatte die gebürtige Pforzheimerin die Wappen der vier Stadtteile Leinfelden, Echterdingen, Musberg und Stetten in Lichtkunstobjekte „übersetzt“ und für Musberg, früher ein Dorf der Besenbinder, einen Besen aus Neonröhren geschaffen. Finanziell lebt die Stuttgarterin mittlerweile von ihren Ersparnissen.

„Es gibt schon Hilfsprogramme, aber die helfen nicht wirklich. Einmal habe ich Geld bekommen, gerade so viel, um einen Monat die Fixkosten zu decken, und dafür musste ich genau angeben, was ich Miete für Atelier und Lager zahle.“ Wie es weitergeht, weiß Chris Nägele nicht. Viele Veranstaltungen, Events und Ausstellungen seien vom vergangenen auf dieses Jahr verschoben worden. Doch ob und was davon stattfinde, sei völlig ungewiss, sagt die Künstlerin.

„Ich sammle sonst auf Reisen viele Eindrücke, jetzt sammle ich hier Ideen, damit es irgendwie weitergeht“, sagt die gelernte Steinbildhauerin, die an der Kunstakademie Stuttgart freie Bildhauerei studiert hat, aber gerade auch nicht zur kreativen Umsetzung in die Werkstätten gehen kann. Sobald wie möglich will Chris Nägele wieder arbeiten und ihre Werke zeigen. „Denn die Kunst lebt von der Interaktion mit den Menschen.“

 

 

Lichtkunst im Stuttgarter Hospitalhof

Kunst und Menschen verbinden und Licht-Zeichen setzen wird auch das Forum Hospitalviertel mit der Installation „Klang&Licht&Ihr“. Am Samstag, 27. Februar, wird das Projekt für 24 Stunden auf dem Hospitalplatz sein und bis etwa Mitte Oktober an weiteren Orten im Quartier. Kurt Laurenz Theinert ist Fotograf sowie Licht- und Medienkünstler, der sich mit dem Pianisten Martin Stortz zusammengeschlossen hat.