Vielleicht ist es euch auch schon einmal aufgefallen: Wir leben auch ohne Corona unbewusst in ständiger Angst.

Wir laufen nicht durch zu hohes Gras, weil wir Angst vor Zecken haben. Uns belastet es, wenn wir keine 10.000 Schritte am Tag schaffen. Unser Übergewicht ist schlecht fürs Herz. Außerdem bekommen wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir nicht die von der Wissenschaft geforderten Portionen Obst und Gemüse essen. Wir schlafen zu wenig, weil wir oft nicht auf die so wichtigen sieben Stunden kommen, und in die Sonne gehen wir auch nicht so gern, weil die ja Krebs auslösen könnte. Ja, unser Leben ist ein absolutes Sperrgebiet. Gefahren, wo immer man auch hinsieht. Dabei vergessen wir aber oft eines: zu leben.

Ich zum Beispiel laufe gern mit kurzer Hose durch hohes Gras. Das hab ich schon als Kind gemacht und nie eine Zecke bekommen. Obwohl ich mit zwei Hunden im Bett geschlafen habe, die öfter mal eine im Fell hatten. 10.000 Schritte schaffe ich auch meistens nicht, dafür fahre ich gern Mountainbike. Die Obst- und Gemüse-Rationen sind bei mir auch eher überschaubar, ich trinke zu viel Kaffee, schlafe mit vier bis sechs Stunden zu wenig und habe ein paar Kilos zu viel. Wisst ihr was? Ich bin trotzdem glücklich und zufrieden. Mein Arzt ist es auch. Neulich hat er mir gesagt, ich hätte die Werte eines Ende 20-Jährigen.

Was ich damit sagen will, das ungesündeste an unserem Leben ist die Angst. Genießt das Leben, wir sehen uns im hohen Gras.

Euer Ostermann