Es ist der einzige Ort in einer Firma, an dem man wirklich Ruhe findet. Eigentlich. Die Toilette. Da ich schon als kleiner Kerl darauf hingewiesen wurde, dass es sich nicht gehört, im Stehen zu pinkeln, sitze auch ich manchmal.

Während ich da also so sitze, habe ich etwas herausge­funden. Viele Kollegen kommen schnaufend aufs Klo gerannt und wollen sich von ihren 12 Bar Betriebsdruck erleichtern. Sie können ihrem natürlichen Verlangen aber nicht nachkommen, wenn jemand in der Kabine daneben sitzt. Ich habe auch her­ausgefunden, dass die Kollegen mit sehr dringlichem Bedürfnis irgendwann anfangen, sehr schwer zu atmen, wenn man seine eigene kleine Sitzung bis aufs äußerste hinauszögert.

Soll heißen, dass ich manchmal einfach absichtlich warte, um her­auszufinden, wie lange es der in der Nachbarkabine noch aushält. Es waren schon mal über fünf Minuten. Manche haben aufgegeben und den Raum ungenutzt wieder verlassen. Manche waren aber auch hartnäckig und haben mein Zeitkontingent überschritten, sodass ich raus aus der Kabine und zum Waschbecken lief, um die letzten vier Minuten Hände waschend zu verbringen.

Wenn man nach dem Händewaschen so tut, als hätte man den Raum verlassen und der Kollege in der Kabine sich in Sicherheit wiegt, fragt man sich schon, warum es „stilles Örtchen“ heißt.

Eine Umfrage unter Kolleginnen und Kollegen hat übrigens ergeben, dass das in Männer- und Frauentoiletten gleich ist. Niemand kann so wirklich, wenn nebenan jemand sitzt.

Probiert es doch mal aus. Natürlich nur zu Studienzwecken. 
    Euer Professor Ostermann