Ich habe mein Fachabitur mit der Note 1,8 bestanden! Das an dieser Stelle schon mal vorweg, denn es gab eine Zeit, in der ich nicht einfach war. Meine Noten zwischen der achten und zehnten Klasse waren, wie ich auch, eine absolute Katastrophe. Wegen mir musste sogar mal eine Klassenkonferenz einberufen werden, weil ich Hausaufgaben des Öfteren erst kurz vor der Schulstunde auf dem Gang erledigt habe und diese auch nur abgeschrieben waren. Mein Direktor und ich waren uns also gar nicht grün.

Als ich allerdings meine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten abgeschlossen habe, war ich plötzlich zuständig für die Einrichtung der Fachräume meiner ehemaligen Schule. Eines Tages saß ich also im Büro meines früheren Direktors. Er sagte nur: „Guten Tag, Herr Ostermann!“ Als plötzlich ein Aktenordner auf dem Tisch vor mir stand, wurde ich etwas unruhig. Vielleicht standen da ja meine Vergehen drin. Zum Beispiel, dass ich damals unerlaubt das Schulgelände verlassen habe, um mir ein Schokokuss-Weckle zu kaufen?! Mein ehemaliger Direktor öffnete die Akte und fragte: „Cognäc’chen?“ Ich schaute ihn verwirrt an, woraufhin er den Ordner herumdrehte. Drin waren ein bekannter Weinbrand und zwei Schnapsgläser. Er bot mir einen Schnaps an, und wir stießen auf „eine gute Zusammenarbeit“ an. Und diese wurde es dann auch – mehrere Jahre lang.
Das hat mich bis heute geprägt. Er hat alles vergessen gemacht, was in der Vergangenheit war. Danke Herr Volkmer, dass Sie mir vorbehaltlos eine neue Chance gegeben haben. Das ist eine Charakterstärke, von der wir uns alle etwas abgucken können. Fangen wir doch gleich jetzt damit an!
Schönes Wochenende, 
 Euer Ostermann