Ich erinnere mich bis heute an meine große Liebe von früher, eine kleine Italienerin. Sie hat uns damals allen den Kopf verdreht, da sie das beste Eis der Welt gemacht hat. Die Dame war knapp 60 Jahre alt und hatte jede ihrer Eissorten mit viel Liebe hergestellt. Wir standen Schlange an diesem Milchglasfenster.

Man musste einmal klingeln, und nach gefühlten fünf Minuten und vielen Geräuschen von Treppenstufen und geöffneten Türen hinter diesem Fenster öffnete sich das Tor zum Himmel. Allein dieser Duft von frisch gemachtem Eis ist mir heute noch immer präsent. Es gab nicht viele Sorten, aber als Kind brauchst du sowieso nur Vanille, Erdbeere und Schokolade zum Glücklichsein. Die Kugel hatte damals nur 20 Pfennig gekostet.

Heute ist man ja schon froh, wenn man mal „nur“ einen Euro zahlt. Allerdings gibt es mittlerweile auch deutlich mehr Variation unter den Eissorten. Frischer Schafs­käse mit Zimt, Basilikum Schmand, Schweinshaxen Eis und Lavendel Aprikose. Kaum zu glauben, aber das schmeckt den Leuten dann sogar. Nicht dass ihr mich falsch versteht. Vielfalt ist immer erst mal gut.

Aber ich sehne mich ein bisschen nach der Zeit zurück, in der wir für eine Mark fünf Kugeln Eis bekommen haben. Mir ist bewusst, dass Mieten, Produktions- und Personalkosten gestiegen sind. Aber Gold ist im Eis, soviel ich weiß, auch nicht drin. Liebe Eisverkäuferinnen und Eisverkäufer denkt also an uns Familien und Eisliebhaber. Wenn das Eis günstiger ist, kaufen wir auch mehr davon, und das rechnet sich am Ende doch für alle!

Euer Ostermann