Es ist doch eigentlich oft so: Man steht im Stau und regt sich darüber auf, dass es einfach nicht vorwärtsgeht. Oder man fährt durch die Stadt, hat es eilig, und jede Ampel zeigt rot. Innerlich brodelt es. Aber wer weiß, wofür es gut ist, wenn man aufgehalten wird?

Meiner Familie und mir hat es vielleicht das Leben gerettet. Es war der 31.12.2014. Wir waren mit den Kindern an der Nordsee, die Fähre nach Hause fuhr pünktlich aus dem Hafen raus, als sie plötzlich auf eine Sandbank auflief. Leichtes Ruckeln war zu spüren, nichts ging mehr. 
Der Kapitän versuchte es mit verschiedenen Manövern, aber wir kamen einfach nicht frei. Da wir ja noch den weiten Weg bis Tübingen fahren mussten, waren wir darüber nicht gerade glücklich. 
Nach knapp zwei Stunden kamen wir erst wieder frei und wurden zum Festland gebracht. Viele haben sich noch auf dem Schiff aufgeregt. 


Am nächsten Morgen, wieder zu Hause in Tübingen, klickte ich mich durchs Internet und die Nachrichten durch und sah diese Meldung: „Tödlicher Unfall mit einem Geisterfahrer auf der A29“, genau unsere Strecke. Ich habe den Unfallzeitpunkt gesehen und sofort festgestellt, dass wir um diese Uhrzeit ungefähr genau da vorbeigekommen wären, hätten wir nicht festgesessen. 


Für mich und meine Familie bin ich heilfroh. Für die, die das damals nicht überlebt haben, tut es mir von Herzen leid!

Deswegen denkt dran: Wenn ihr im Stau steht oder aufgehalten werdet, ist es ja vielleicht für etwas gut. Ich jedenfalls nehme seitdem jede zeitliche Verzögerung so an, wie sie kommt.    
Euer  Ostermann