Stellt euch mal vor, ihr kommt morgens zum Bäcker, und in der Auslage liegen keine lecker duftenden Backwaren, sondern Zettel, auf denen steht: „Zucker“, „Mehl“, „Hefe“, „Wasser“ und dergleichen. Würdet ihr dann gern und mit Inbrunst dort einkaufen? Also ich nicht.

Warum ich das frage? Mein Sohn musste neulich für die Religionsarbeit in der fünften Klasse lernen. Ich ging davon aus, dass sie etwas zu den unendlich spannenden Geschichten aus der Bibel schreiben würden. Zum Beispiel wie Noah dieses riesige Schiff gebaut hat oder Mose die Israeliten aus Ägypten führte und das Meer teilte. Oder vielleicht über die Wunder, die Jesus vollbracht hat: aus Wasser Wein, übers Wasser gehen oder Kranke heilen?! Stattdessen müssen die Kinder heute wissen, welche Farbe die Tücher auf dem Altar zu bestimmten Zeiten im Kirchenjahr haben und welche kirchlichen Feiertage es gibt und wann diese stattfinden.

Also viel Theorie und wenig Spannendes. Reines Auswendiglernen. Ja, ich weiß, Schule ist halt oft viel Auswendiglernen. Allerdings finde ich, gerade beim Thema Religion geht es doch mehr um Werte, Nächstenliebe und die Botschaft dahinter als um Tücher oder Termine. Damit kann man die Kids auch später noch langweilen.

Das ist wirklich nicht böse gemeint. Ich finde aber, Kinder sollten erst lernen, wie schön es ist, anderen Menschen mit Respekt und Liebe zu begegnen.

Für alles andere ist auch später noch viel Zeit.
Euer Lehrer Dr. Specht alias Ostermann