Ohne sich abzusprechen, und trotzdem das Gleiche aufs Papie bringen - das kann man wohl nur innerhalb von Familienbanden.

 

Mein Sohn und ich haben in der letzten Woche ein paar Nachmittage damit verbracht zusammen zu malen. Wir nennen das unseren Malwettbewerb. Allerdings muss ich zugeben, dass ich damals in der Grundschule nicht als Picasso bekannt war. Dabei haben meine Eltern schon früh versucht, mir das Malen näher zu bringen, indem sie mich mit einen Eimer Kreide auf die Straße gesetzt haben. Ich habe erst viel später bemerkt, dass es die B27 war.

Wie dem auch sei. Mein Sohn und ich hatten uns bei diesem Malwettbewerb folgende Aufgabe gestellt: Jeder von uns malt ein Haus. Mehr hatten wir nicht besprochen. Wir malten beide ungefähr eine Stunde vor uns hin. Keiner durfte schauen, was und wie der jeweils andere malt. Ich war ganz verblüfft, als am Ende die Auflösung kam: Jeder von uns hatte ein Haus auf einem Felsen mitten im Meer gemalt. Direkt an dem Felsen war eine Anlegestelle, ein Schiff und auch ein Hubschrauberlandeplatz, inklusive fliegendem Hubschrauber zu sehen.

Wir waren beide so platt, dass wir am Ende dasselbe gemalt hatten. Jeder natürlich mit seinen Möglichkeiten, aber doch gleich. Vielleicht war es Zufall, vielleicht aber auch meine Erziehung, vielleicht habe ich ihm ja auch etwas mitgegeben, ohne es bemerkt zu haben - oder er mir. Wie heißt es doch im Buch „Der kleine Prinz“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Möge noch mehr davon zum Vorschein kommen. Vielleicht ja sogar beim nächsten Malwettbewerb. Schönes Wochenende wünscht euch, Euer Picasso-Ostermann