Eine Frau mit Baby im Wickeltuch steht vor mir an der Kasse in einem beliebten Bio-Supermarkt in meiner Heimatstadt Tübingen. Das Warentransportband ist mit Windeln, Babynahrung und anderen Dingen vollgestellt. Als es ans Bezahlen geht, stellt die Mama erschrocken fest, dass sie ihren Geldbeutel zu Hause vergessen hat. „Kann ich meinen Ausweis als Pfand dalassen und das Geld später vorbeibringen?“, fragt sie den Verkäufer. Die Antwort: „Nein, das geht leider nicht!“ Die Frau sollte also ohne Einkäufe mit ihrem Baby wieder gehen, um die knapp 50 Euro von zu Hause zu holen.

Da ich selbst Papa bin, wusste ich, was das bedeutet: Sie muss schnell sein, weil sie demnächst wieder stillen muss, und hoffen, dass ihr Kind nicht aufwacht und zu schreien anfängt. Entweder weil es eben Hunger hat oder gewickelt werden will. Deshalb habe ich ihr das Geld selbstverständlich ausgelegt. Und ein paar Tage später habe ich es auch direkt nach Hause geschickt bekommen. Das ist jetzt schon eine Weile her.

Vor zwei Wochen ist meiner Frau aber das Gleiche passiert. Sie hat in der Hektik ihren Geldbeutel vergessen, wollte nur schnell das Mittagessen für die Kids einkaufen. Auch diesmal gab es keine Möglichkeit, den Ausweis dazulassen oder gar über PayPal direkt zu bezahlen. Das war ärgerlich, zumal sie sehr oft dort einkaufen geht.

Lieber Bio-Supermarkt, bei Lebensmitteln achtet ihr penibel auf Umweltfreundlichkeit und das Wohl der Tiere. Hätten das eure Kunden nicht auch verdient?

Faire Grüße, 
  Euer  Ostermann