Wir sind mittendrin in der Fastenzeit. Um uns herum erleben wir Menschen, die so ziemlich auf alles verzichten: Alkohol, Zigaretten oder Süßigkeiten. Bei mir ist das andersrum. Ich verzichte aufs Joggen. Ich war nämlich eine ganze Zeit lang mit meinem Nachbarn laufen. Na ja, es war eher ein Dahinsiechen.

Er lief mit der Leichtigkeit einer afrikanischen Antilope durch den Schönbuch, während ich mich in Zeitlupe wie ein usbekischer Steppenelefant die Steigungen hoch mühte. Ich wollte mich schon zum Sterben auf dem Elefantenfriedhof einmieten, bis ich auf die Idee kam, dass meine knapp acht Jahre alten Laufschuhe vielleicht der Grund dafür wären. Tatsächlich, im Sportgeschäft meines Vertrauens wurde ich darauf hingewiesen, dass meine Sportschuhe mittlerweile der Beschaffenheit von holländischen Holzschuhen gleichkämen.


Nach dem Tausch eines Monatsgehaltes in neue Sportschuhe hat sich tatsächlich alles verändert. Ich hatte gazellenähnliche Züge beim Joggen! Es machte wieder Spaß, obwohl ich es eigentlich schon an den Nagel hängen wollte. So ist es doch oft im Leben. Manchmal braucht es nur ein paar Veränderungen, und es ist wieder lebens- und liebenswert.

Mittlerweile hat mich eine Meniskus-OP dazu gezwungen, ganz mit dem Joggen aufzuhören. Auch das hatte sein Gutes. Denn mittlerweile fahre ich jede Woche mit dem Mountainbike auf der Alb rum und war schon an Orten in BW, die ich mit Laufschuhen nie erreicht hätte.

Das Leben ist schön, wenn man aus allem das Beste macht!      
Euer  Ostermann