Bettina Mann aus Plieningen war an Covid-19 erkrankt und hatte lange mit den Folgen des Coronavirus zu kämpfen.

 

 

Peter Kremsner, Direktor am Tübinger Institut für Tropenmedizin, sagt, dass es im Januar oder Februar einen Impfstoff gegen Covid-19 geben wird. Bettina Mann wird sich nicht impfen lassen. Die 51-Jährige aus Plieningen hatte Covid-19 und drei Monate mit den Spätfolgen des Virus zu kämpfen. Mittlerweile ist sie beschwerdefrei. „Obwohl ich den Eindruck habe, dass Höchstleistungen noch nicht drin sind.“ Bettina Mann hatte klassische Grippe-Beschwerden. Frieren, Gliederschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, dazu Schwindel und Kopfschmerzen. Nach acht Tagen ging Bettina Mann zu ihrer Hausärztin, die sofort einen Corona-Test anordnete. „Zum Glück, das war damals Ende April nicht in jeder Praxis üblich.“

An einem Freitagabend erhielt sie von ihrer Ärztin am Telefon die Nachricht, dass sie Covid-19-positiv war. „Ab sofort stand ich unter Quaran­täne, und mit mir meine 16-jährige Tochter“, erzählt sie. Stundenlang quälte sie die Frage, wo sie sich angesteckt haben könnte. Sie sei weder in Ischgl noch einer anderen Party-Hochburg gewesen, sagt Bettina Mann. „Vielleicht war es der klassische Supermarktfall. Ende April gab es noch keine Mundschutzpflicht, möglicherweise hat mich dort ein sogenannter Superspreader angesteckt, der selbst noch nichts von seiner Erkrankung wusste.“ Das Gesundheitsamt meldete sich am Montag und teilte ihr mit, dass sie ab dem heutigen Tage die Wohnung nicht mehr verlassen und keine Kontakte mehr pflegen durfte. „Außerdem solle ich mich räumlich von meiner Tochter trennen, die noch in meinem Haushalt lebt. Das fand ich ziemlich weit von jeglicher Realität entfernt.“

Bettina Mann wurde nach sämtlichen Kontaktpersonen befragt, die sie drei Tage vor Ausbruch der Covid-19-Infektion getroffen hatte. Sie musste die vollständigen Adressen, Zeitpunkt, Ort, Dauer der Zusammenkunft sowie Abstand und Hygienemaßnahmen nennen. „Ich wurde nach Beruf, Lebensumständen und Vorerkrankungen befragt. Ich hatte das Gefühl, mein halbes Leben in einem einzigen Telefonat offenlegen zu müssen.“ Bettina Mann musste zudem ein sogenanntes Gesundheitstagebuch führen, täglich Temperatur messen und aufschreiben, wie sich ihre Symptome entwickelten. Während der Quarantäne verschlang sie jeden Tag gierig die Nachrichten zur Entwicklung der Corona-Lage, zur Symptomatik der Covid-19-Erkrankung und zur Forschung an Impfstoffen.

Bettina Mann hat auch an einer Antikörper-Studie teilgenommen, einen mehrseitigen Fragebogen dafür ausgefüllt und einen Test gemacht. „Ich hatte keine Antikörper entwickelt, aber meine Ärztin hat mir erklärt, dass es ein Zeichen einer gut funktionierenden Immunabwehr ist, da vermutlich die Gedächtniszellen sehr rasch die Aufgabe übernommen haben.“ Man wisse tatsächlich noch nicht, was die Antikörper machten, sagt Sabine Schindler, Allgemeinärztin aus Plieningen. „Der aktuelle Kenntnisstand ist, dass sich die Gedächtniszellen daran erinnern und dann wieder Antikörper bilden.“ Auch was die Bedeutung der Blutgruppen anbetrifft, wisse man nichts Genaues, aber von schweren Verläufen seien Menschen mit der Blutgruppe A oft stärker betroffen, erklärt Sabine Schindler. „Im Prinzip wissen wir noch immer nicht, wie das Virus funktioniert.“

Bettina Manns Isolation dauerte lange. Nach guten Phasen fehlte ihr körperlich schlagartig wieder jegliche Energie, überkamen sie Kopfschmerzen, eine seltsame Art von Gliederschmerzen und totale Abgeschlagenheit. Ein kleiner Trost ist, dass sie nicht die Einzige ist. „Offensichtlich leiden ganz viele Menschen mit scheinbar leichten Verläufen von Covid-19 an Spätfolgen.“