Die Mosaikkünstlerin verschönert das „Fluchthäusle“ in Neugereut.

 

 

Gemeinsam mit einer Gruppe kunstbegeisterter Laien gibt die Mosaikkünstlerin Frauke Löffler dem Betonsockel des „Fluchthäusles“ auf dem Neugereuter Marktplatz ein neues, schillerndes Outfit. Selbstvergessen fährt Frauke Löffler mit der Hand durch eine Dose mit bunten Glasbröckchen. Angst vor Splittern und Schnittwunden kennt sie nicht, im Gegenteil, die Arbeit mit Glas übt auf die gebürtige Ulmerin einen besonderen Reiz aus: „Mich fasziniert die Mosaikkunst, weil hier Kreativität und Handwerk zusammentreffen.“ Sie deutet hinter sich, an die Wand ihres Ateliers, wo eine künstlerische Auswahl zu bewundern ist: Gläser und Windlichter, Bilder und Skulpturen. „Dank verschiedenster Materialien, Stile und Techniken lassen sich wunderbare Unikate schaffen.“ Sie selbst arbeite wegen der unterschiedlichen Farbnuancen und der typisch unebenen, lebendigen Oberfläche, die bei der Brechung entstehe und das Licht auf ganz individuelle Weise reflektiere, besonders gerne mit Smalten, dem klassischen Mosaikmaterial, verrät sie und tippt sanft auf eine Plastik in grau-weiß, deren rau schillernde Oberfläche zum Darüberstreichen animiert. „Was den Stil angeht, schlägt mein Herz für die Abstraktion. Oft lasse ich mich von Landschaftsmotiven inspirieren, die ich dann entsprechend umsetze.“

Die Lust am Gestalten begleitet die 59-Jährige seit der Kindheit. Animiert vom Vorbild des Vaters, eines Textilingenieurs, erstrahlen ihre Puppen in eigenen Modekreationen statt in 08/15- Massenware. Ein Hobby, das sich als zukunftsweisend herausstellt, denn nach dem Modedesignstudium in Mailand arbeitet Löffler lange Jahre im Modebusiness. Als sich das erste Kind ankündigt, ist Schluss: „Mode und Kinder lassen sich nicht vereinbaren. Ich habe mich ohne Zögern für die Familie entschieden.“ Mit dem Heranwachsen der Sprösslinge hat Löfflers zunehmend Zeit, alte Hobbys wieder aufzufrischen, beschäftigt sich neben Acrylmalerei mit der Bearbeitung von Speckstein. Bis das Schicksal eines Tages in Form eines besonders farbenprächtigen Kirchenfensters zuschlägt: „Bei dem Anblick durchfuhr mich spontan der Gedanke ‚das möchte ich auch lernen‘.“ Gesagt, getan, 12 Jahre später hat die Künstlerin ihr Hobby längst zum Beruf gemacht. Obwohl ihr die Arbeit an großen Motiven unter anderem durch ihre ehrenamtliche Teilnahme am Mosaikprojekt Arezzo Indicatore vertraut ist, freut sich Löffler auf die Herausforderung, die der Neugereuter Auftrag mit sich bringt. „Auf über sieben Metern werden sich 30 verschiedene Vögel tummeln. Da ist im Vorfeld viel zu beachten.“

Mit hörbarer Begeisterung zählt sie die einzelnen Arbeitsgänge auf: die Auswahl der Farben, die Zusammenstellung der Materialien, das Zeichen der einzelnen Motive, die Positionierung, die Fixierung, die Montage. „Wenn alles planmäßig verläuft und uns die Witterung und Corona keinen Streich spielt, hoffe ich, das Projekt bis Jahresende abzuschließen.“ In ihrem Atelier veranstaltet Löffler Mosaikkurse und Kindergeburtstagsworkshops. Infos unter www.mosaikzauber.com/.