Patrick Kuhlmann hat als Alternative zum Onlinedating das Speeddating wieder salonfähig gemacht. Wer dabei an die Resterampe der Singles denkt, hat weit gefehlt. Aber reichen fünf Minuten für einen ersten Eindruck?

 

 

Es ist Dienstagabend. Vor einem kleinen Restaurant in Stuttgart-Mitte gehen Menschen auf und ab, warten auf ihre Verabredungen oder telefonieren. Dazwischen stehen vereinzelt Leute. Sie schauen nervös auf ihr Smartphone und blicken verstohlen auf, wenn jemand vorbeiläuft. Sieht er wie ein Single aus? Vielleicht macht sie ja auch hier mit. Um kurz nach sieben hat sich eine kleine Schlange am Eingang des Restaurants gebildet. „Oje, wir bekommen wirklich ein Namensschild. Das ist ja wie im Film“, sagt eine junge Frau zu ihren beiden Freundinnen. Sie haben sich zu dritt zum Speeddating XXL heute Abend angemeldet. Jede von ihnen scheint sich dafür extra viel Mühe bei der Outfitwahl gegeben zu haben.

Das Event zeichnet sich vor allem durch die vielen Teilnehmer an einem Abend aus. „Speeddating ist jedem ein Begriff, und normalerweise sitzen sich maximal sieben Singles gegenüber“, erklärt Patrick Kuhlmann, Veranstalter des Events. Er hatte die Idee, das klassische Speeddating größer und attraktiver zu machen. „Viele Singles bedeutet auch, eine höhere Chance, den potenziellen Partner zu finden. Deshalb haben wir meist 30 Teilnehmer pro Veranstaltung.“ Nach und nach setzen sich die Teilnehmer an die Tische. Einige schauen sich um, vereinzelt fangen erste Gespräche an.

„Ich habe ein bisschen geschummelt“, sagt ein Mann am Nebentisch. „Ich bin seit einem Monat 40.“ Dabei lacht er verlegen. Das Speeddating heute Abend ist für Menschen von 25 bis 39 Jahren konzipiert. „Wir versuchen die Altersspanne so zu gestalten, dass für jeden die passende Altersgruppe dabei ist. Viele Männer suchen eine etwas jüngere Partnerin. Frauen nutzen meist das Event mit der älteren Zielgruppe“, erklärt Kuhlmann.

Der Moderator gibt den Startschuss. Die ersten fünf Minuten laufen. An allen Tischen beginnt die erste Runde etwas schleppend. Niemand weiß so richtig, was er sagen oder fragen soll, und so beginnen die Gespräche meist mit der Frage „Ist es auch dein erstes Mal hier?“ Um das zu vermeiden, gibt es einen Fragenkalender. „Wir haben einen kleinen Tischkalender entwickelt mit Fragen, die beim ersten Kennenlernen interessant sein könnten. So gibt es immer ein Thema, über das man sich unterhalten kann“, sagt Kuhlmann. Kaum hat man ein Thema gefunden, sind die ersten fünf Minuten aber auch schon wieder um. Nun notiert man den Namen und die Nummer des Gegenübers und kann auf seinem „Laufzettel“ notieren, ob man sie oder ihn wiedersehen möchte.

Die Damen bleiben sitzen, die Herren wechseln den Tisch. Weiter geht’s. Die Teilnehmer sprechen wie in Akkordarbeit über Arbeit, Hobbys, Haustiere und Familie. Dennoch scheint niemand davon gestresst zu sein. „Ich bin heute schon zum zweiten Mal dabei“, erzählt Daniel. Er habe beim letzten Event viele nette Gespräche gehabt, für ein zweites, richtiges Date habe es aber leider nicht gereicht. „Deshalb versuch ich es einfach noch mal“, erklärt er mit einem Lächeln. Christian liest gern und viel, Patrick spielt Geige und Klavier. Generell sei seine Familie sehr musikalisch. Und er ist Vegetarier, diese Information sei ihm sehr wichtig. Thomas ist Hobbypsychologe und habe eine nicht einfache Zeit hinter sich. Heiko sei gerade erst in Griechenland im Urlaub gewesen, und Moritz hat einen Hund – oder war das Michael? Als Alexander dann erzählt, dass er gern Schwertkampf und Ritterrollenspiele mache, wurde an diesem Abend wohl jedes Dating-Klischee erfüllt.

Die unterschiedlichen Interessen und Charaktere zeigen, wie vielfältig die Teilnehmer sind. „Das große Problem am Speeddating ist das Image. Viele denken, es ist eine Resterampe. Das stimmt nicht. Vom Gärtner bis zur Professorin ist wirklich alles dabei“, so der Veranstalter. Die strenge Reihenfolge des Anfangs wird etwas lockerer. Vereinzelt bleiben Männer einfach am Tisch sitzen und führen ihr Gespräch über mehrere Runden hinweg weiter. Es herrscht eine lockere Atmosphäre. Die Nervosität vom Anfang ist verflogen, und jeder scheint seinen Platz am Abend gefunden zu haben. Nach eineinhalb Stunden kündigt der Moderator die letzte Runde an. „Wow, das war ja mal ein spannender Abend“, sagt Marcel. „Ich habe nicht gedacht, dass das so locker abläuft, und hatte echt einige gute Gespräche. Mal sehen, was daraus wird.“

Am nächsten Tag bekommen alle Teilnehmer eine E-Mail zugesendet. Dort kann jeder eintragen, wen er gern wiedersehen möchte. Finden sich zwei Menschen gut, gibt es also ein Match, werden die Kontaktdaten vom Veranstalter ausgetauscht. Doch in einigen Fällen scheint das nicht nötig zu sein. Christian und Linda verlassen gemeinsam das Event und setzen ihr Date in einer anderen Location fort.

 

 

Nächste Veranstaltungen:

Speeddating XXL gibt es für verschiedene Altersgruppen in Stuttgart. Unter www.speeddating-xxl.de können die nächsten Termine eingesehen werden. Es gibt auch „Gay Speeddating“-Veranstaltungen.