Statistik zeigt, dass es letztendlich kaum gemeinsame Nenner gibt, auf die sich Zusammenstöße oder individuelle Rad-Unglücke beziehen – 25 Prozent sind Allein-Unfälle.

 

 

Zahlreiche Radveranstaltungen in diesem und den vergangenen Jahren oder viel befahrene Strecken wie die Tübinger Straße und der Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Leuze zeigen: Man radelt nie allein in Stuttgart. Der erfreulichen Nachricht, dass immer mehr Alternativen zum Auto genützt werden, steht die steigende Zahl der Unfälle gegenüber, an denen Radfahrende beteiligt waren. Oberbürgermeister Fritz Kuhn hatte daher die Verwaltung beauftragt, die Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung hinsichtlich Örtlichkeit, Ursachen und Maßnahmen zu analysieren. OB Kuhn sagte: „Unsere Analyse ermöglicht es, sich ein Gesamtbild über die Sicherheit auf Stuttgarts Straßen im Kontext der steigenden Radverkehrszahlen zu machen.“

2020 waren 47 Schwerverletzte und 238 Leichtverletzte als Unfallfolgen zu beklagen. Im dritten Quartal 2020 wurden 228 weitere Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung registriert, sodass die Summe im Jahr 2020 auf 538 Radverkehrsunfälle anstieg. Mit bis jetzt zwei getöteten Radfahrenden in einem Jahr ist ein trauriger Rekord zu verzeichnen. Ein Unfall ist auf die Beteiligung Rad/Rad zurückzuführen, ein Unfall auf die Beteiligung Rad/Auto. Von den 310 Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung im ersten Halbjahr 2020 fanden 61 Prozent mit Kfz statt, sechs Prozent zwischen Radfahrenden, acht Prozent zwischen Fußgängern und Radfahrern und 25 Prozent waren sogenannte Alleinunfälle von Radfahrern. Martin Schairer, Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, erläuterte: „Unser Fazit ist: Die Unfälle mit Radfahrenden finden an sehr unterschiedlichen Stellen und unter vielfältigen Umständen statt. Nur an wenigen Stellen häufen sich Unfälle mit Rad­fahren­den. Die häufigste Ursache ist und bleibt hier das Ein- und Abbiegen sowie das Kreuzen.“

Auf Nachfrage nach bestimmten Knotenpunkten sagt Niklas Junkermann von der Stadt Stuttgart: „Bei den Knotenpunkten in Stuttgart-Ost und Stuttgart-Süd handelt es sich um Abbiege-Unfälle und Einbiegen-/Kreuzen-Unfälle. Die Unterscheidung liegt darin, ob sich der Unfallverursacher auf der bevorrechtigten Straße befindet. Die Art der Verkehrsbeteiligung, also ob es sich bei dem Unfallverursacher um einen Autofahrer oder einen Radfahrer handelt, ist dabei unerheblich. Mit unterschiedlichen Maßnahmen – Markierungen, Änderungen bei der Signalisierung, Umbau des Verkehrsknotens – soll das Unfallaufkommen zukünftig reduziert werden.“ Ein Blick in die Statistik zeigt: An manchen Knotenpunkten wie in der Böblinger Straße ist das Unfallaufkommen wahrscheinlich ähnlich wie in den Vorjahren. Elf Unfälle wurden dort im Stuttgarter Süden 2019 verzeichnet. Im ersten Halbjahr sind es vier Unfälle. In der Tübinger Straße sind zwei Unfälle im ersten Halbjahr registriert worden. In der Vergangenheit waren es zwischen sechs und vier im gesamten Jahr. Auch hier – so die Aussage von Niklas Junkermann, kann man kein einheitliches Merkmal für die jeweiligen Unfälle finden.

 

 

Zur Analyse und weitere Ergebnisse

Nach dem Auftrag des Oberbürgermeisters haben die Verkehrsbehörde und Polizei alle Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung der Jahre 2017 bis 2019 und im ersten Halbjahr 2020 analysiert. Für die Jahre 2019 und das erste Halbjahr 2020 wurden Örtlichkeit, Hergang und Ursachen vertieft überprüft. Seit dem Jahr 2017 ist die Zahl der gemeldeten Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung von 503 auf 621 im Jahr 2018 und auf 568 im Jahr 2019 gestiegen. Im ersten Halbjahr 2020 wurden bei steigendem Radverkehrs­aufkommen 310 Unfälle registriert. Gemäß den jährlichen Unfallberichten des Polizei­präsidiums Stuttgart wurden 2017 59 Unfälle mit Pedelecfahrern verzeichnet, in den Jahren 2018 98 und 2019 123. Im ersten Halbjahr 2020 wurden 82 Unfälle registriert.