„Es lohnt sich!“: Zwei Zwölftklässler wollen für eine bessere Ökobilanz in der Max-Eyth-Schule ein Pfandbechersystem für die Cafeteria einführen.

 

 

Emilio Deidda und Dimos­thenis Hempel von der Max-Eyth-Schule in Stuttgart wollen etwas für Klima und Umwelt tun. Wie Florian Palachy, der Mitbegründer des Pfandbechersystems Recup, halten es die beiden Zwölftklässler für wenig sinnvoll, ein Produkt für 15 Minuten Gebrauch herzustellen. In einem Projektkurs in Kooperation mit dem Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) haben sie deshalb ein Konzept erstellt, wie die schuleigene Cafeteria von Wegwerf­bechern wegkommt.

Einwegbehältnisse für Kaffee und Kaltgetränke – inklusive Zubehör wie Deckel, Strohhalm und Rührstab – produzieren laut Verbraucherzentrale jährlich 55 000 Tonnen Abfall. Das Umweltbundesamt spricht von 70 Einwegbechern für Limo, Bier, Kaffee oder Tee, die statistisch jede Verbraucherin und jeder Verbraucher in Deutschland im Jahr nutzt und entsorgt. „Wir machen im nächsten Jahr Abitur und haben nach etwas gesucht, was auch in der Zeit nach uns bleibt, etwas, das nachhaltig ist“, sagt der 17-jährige Dimosthenis Hempel.

Ein Pfandbechersystem für die Cafeteria trage konkret dazu bei, den Müllberg zu verringern, ergänzt Emilio Deidda. Kerstin Mayer vom BNW unterstützt die beiden Schüler bei der Umsetzung ihres Projekts. Bisher gebe es ihres Wissens so etwas noch in keiner Stuttgarter Bildungseinrichtung, erklärt die Autorin des Buches „Zero Waste – ohne Stress. Dein Start in ein nachhaltigeres Familien­leben“ (Kosmos). Johannes Stiegeler von Recup, einem der Vorreiter für Mehrweg-Pfandgeschirr in Deutschland, kann das aus Sicht des Unternehmens bestätigen. „Die Max-Eyth-Schule wäre die erste Schule in Stuttgart, die mit uns als Partner zusammenarbeitet.“

Die Schulleitung steht hinter der Idee von Emilio Deidda und Dimosthenis Hempel. Sobald der Vertrag mit Recup abgeschlossen ist, sollen die wiederverwendbaren Becher in der Cafeteria in Umlauf kommen. Am liebsten noch vor den Sommerferien wollen Emilio Deidda und Dimosthenis Hempel ihr Projekt mit 100 Mehrwegbechern starten. Für den kleinen Kaffee, der 1,10 Euro kostet, und für den großen, um 1,50 Euro, kämen dann noch jeweils 1 Euro Pfand obendrauf, sagen sie. „Konkret an ihrer eigenen Schule für Veränderung zu sorgen und eine langfristig Vorteile bietende Lösung für ein Problem zu realisieren ist beispielhaft“, sagt Kerstin Mayer.

Anfang Juli werden die Zwölftklässler ihr Projekt im Unterricht vorstellen und aufzeigen, wie wichtig der Umstieg auf ein Pfandsystem ist. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) werden für die Herstellung von 2,8 Milliarden Einwegbechern im Jahr 64 000 Tonnen Holz benötigt, was rund 43 000 Bäumen entspricht. Die Ökobilanz von Pfandbechern fällt besser aus. Jeder der spülmaschinenfesten Mehrwegpfandbecher aus Polypropylen, das zu 100 Prozent recycelbar und schadstofffrei ist, kann bis zu 1000-mal wiederverwendet werden. Und schon, wenn das Behältnis häufiger als 17-mal verwendet wird, sind laut Recup, die für Herstellung und Reinigung der Pfandbecher verbrauchten Ressourcen geringer als die für die Produktion eines Einwegbechers. „Es lohnt sich also“, sagt Dimosthenis Hempel.

 

 

Gefahr für Mensch und Umwelt

Die meisten Becher für Heißgetränke bestehen aus Pappe mit einer Kunststoffbeschichtung. Viele werden als wilder Müll weggeworfen. Ebenso wie Plastiktüten, die in der Umwelt landen, besteht auch bei Einwegbechern die Gefahr, dass der Kunststoff des Bechers durch Abrieb zu Mikroplastik wird. Diese Partikel können dann ins Wasser oder in den Boden gelangen – mit nicht absehbaren Folgen für Mensch und Umwelt.