Im Repair Café im Jugendhaus Möhringen machen ehrenamtliche Helfer Alltags- und Haushaltsgegenstände wieder flott.

 

 

Für Peter Nickles aus Möhringen ist Thomas Kast so etwas wie die letzte Hoffnung. Der Mann vom Repair Café Stuttgart Fasanenhof soll sein altes Radio mit Kassettendeck wieder zum Laufen bringen. „Ich habe es 1982 für 800 Mark in der Lerche auf der Stuttgarter Königstraße gekauft, und es hat einiges mitgemacht. Jetzt funktioniert der Ein- und Ausschalter nicht mehr. Aber ich hänge an dem Teil“, erzählt Peter Nickles. Also hat er sein Radio ins Jugendhaus Möhringen gebracht. Jetzt liegt das gute Stück, entblößt von seinem Gehäuse, vor Thomas Kast auf dem Tisch. Das Werkzeug liegt griffbereit. Der Mann vom Repair Café des Vereins Integrative Wohnformen, macht sich an die Arbeit.

Wenn ein Wasserkocher nichts mehr zum Sprudeln bringt, ein Föhn nur noch laue Luft bläst, der Staubsauger keine Wollmäuse mehr einsaugt oder der Radiorekorder keine Töne mehr von sich gibt, landen sie meist im Müll. Das Repair Café bietet eine Alternative zum Wegwerfen. Dort stehen handwerklich und technisch begabte Helfer mit Wissen und Werkzeug bereit, um Kaputtes möglichst wieder ganz zu machen. „Wir haben eine Reparaturquote von gut 60 Prozent. Ich finde, das ist eine ganze Menge“, sagt Thomas Kast, bevor er sich dem Innenleben des fast 40 Jahre alten Radios widmet. Schon bevor die Nachhaltigkeit in aller Munde war, eröffnete am 18. Oktober 2009 das erste Repair Café in Amsterdam in Holland. Organisiert und initiiert wurde es von Martine Postma, die sich seit 2007 für Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene einsetzt.

Der große Erfolg hat die Initiatorin veranlasst, 2011 die Non-Profit-Organisation „Stitching Repair Café“ ins Leben zu rufen, die lokale Gruppen im In- und Ausland, die ein Repair Café eröffnen wollen, professionell unterstützt. Mittlerweile ist aus den Reparaturtreffs eine globale Bewegung geworden. Es gibt Repair Cafés in Belgien, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten und in Dutzenden anderen Ländern auf der ganzen Welt. Sogar bis nach Indien und Japan ist die Idee vorgedrungen. Die Repair-Café-Organisation nennt auf ihrer Internetseite die Zahl von weltweit 2155 Reparaturcafés – rund 860 davon allein in Deutschland –, in denen jeden Monat geschätzt mehr als 32 000 Ehrenamtliche zusammen fast 39 000 Gegenstände wieder heil machen.

Das Repair Café Stuttgart Fasanenhof gibt es seit 2015. Eigentlich ist die Zentrale am Europaplatz 30, doch einmal im Jahr kommen die Ehrenamt­lichen ins Jugendhaus Möhringen. „Wir binden die Jugendlichen ein. Sie helfen den Nicht-Digital-Natives bei Problemen mit dem Handy“, erzählt Thomas Kast, der das Radio von Peter Nickles durchgecheckt hat. Eine Betriebsanleitung für das Gerät hatte Kast, den sein Namensschild als „Allrounder“ ausweist, im Internet gefunden. Auch das Problem wurde erkannt. Viel mehr kann der gelernte Bio-Chemiker nicht tun. „Das Radio braucht eine neue Mini-Platine. Aber wir haben keine Ersatzteile vorrätig, weil wir sie nirgends lagern können.“ Peter Nickles nimmt sein defektes Radio wieder mit nach Hause. Anderen Besuchern kann jedoch geholfen werden. Von drei kaputten Staubsaugern, die am Sonntag ins Repair Café eingeliefert wurden, funktionieren zwei nach dem Eingriff der Reparateure wieder.

 

 

Repair Cafés

Allgemeines und mehr über Repair Cafés gibt es unter www.repair-cafe.org, lokale Angebote stehen unter www.reparatur-initiativen.de.