Diakon Michael Karl Jakob segnet vor der Kirche St. Hedwig in Möhringen Autos, Rollatoren, Tretroller und Skateboards – und im Oktober wieder Hunde und Katzen.

 

 

Segnungen gibt es in der katholischen Kirche eine ganze Menge. Es gibt Häusersegnungen, Feldersegnungen und Segnungen für Flugzeuge, Schiffe und Autos. Auch in der Kirche St. Hedwig in Möhringen wird die Tradition der Fahrzeugsegnungen gepflegt. Am Freitag hat Diakon Michael Karl Jakob zahlreiche Autos, einige Fahrräder, aber auch Rollator, Skateboard und Roller unter göttlichen Schutz gestellt.

„Ist denn heute etwas Besonderes?“, fragte die Gottesdienstbesucherin, als sie aus der Kirche trat und die vielen fahrbaren Untersätze vor der Tür sowie den kleinen Tisch entdeckte. Auf dem lagen in verschiedenen Ausführungen Plaketten mit Magneten, auf denen der heilige Christophorus dargestellt war, der als Schutzpatron der Reisenden gilt. Schnell kaufte sich die Frau eine davon. „Und jetzt hol ich noch rasch mein Auto her“, erklärte sie, eilte fliegenden Schrittes davon und kurvte wenig später mit ihrem kleinen Flitzer auf den Kirchplatz. Auch Elias mit seinem Skateboard und Jonas mit seinem Tretroller waren da, um für den Gebrauch ihrer fahrbaren Untersätze Schutz und Heil von Gott zu erbitten.

Der Diakon der katho­lischen Gesamtkirchengemeinde, zu der St. Hedwig in Möhringen und Sonnenberg und St. Ulrich auf dem Fasanenhof gehören, hatte ausdrücklich dazu aufgerufen, nicht nur mit den „Heilig’s Blechle“ auf den Kirchplatz zu kommen, sondern auch „vom Laufrad der Kinder bis zum Rollator für Senioren“ alles mitzubringen. „Bevor die Sommerferien und somit das Reisen mit den unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln beginnen, dürfen wir uns bewusst unter Gottes Segen stellen“, sagt Michael Karl Jakob.

Der heilige Christophorus, dessen Fest alljährlich am 24. Juli gefeiert wird, ist schließlich für alle zuständig, die unterwegs sind. Der Legende nach war er ein großer und starker Mann, der mit seinen übermenschlichen Kräften nur dem mächtigsten Mann der Welt dienen wollte. Irgendwann traf er auf einen Fluss und einen Fährmann. Weil die Fähre kaputt war, bot er dem Fährmann an, die Reisenden durch den Fluss zu tragen. Christophorus nahm das Kind auf seine Schultern und stieg in den Fluss. Doch während er durch den Fluss watete, drückte ihn das Gewicht nieder, und er erreichte mit letzter Kraft das andere Ufer. „Mir ist, als hätte ich die ganze Welt getragen“, stöhnte Christophorus. Da sagte das Kind zu ihm: „Mehr als die Welt hast du getragen, du hast Christus getragen und die ganze Last der Welt.“ Diakon Jakob sprach den Segen und besprengte die Fahrzeuge mit Weihwasser. Der Brauch der Autosegnung sei eher in ländlichen Gegenden daheim, doch in der Kirchengemeinde werde er treu gepflegt, berichtet Jakob. „Und wir machen auch wie jedes Jahr, diesmal am Sonntag, 10. Oktober, um 14 Uhr, wieder eine Tiersegnung in St. Hedwig. Das ist immer eine ganz besondere Sache“, verriet er mit einem Lächeln beim Gedanken an den Anblick von Hunden, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen im Gotteshaus. „Das bisher außergewöhnlichste Tier bei der Segensfeier war ein Esel aus Sonnenberg.“

 

 

Diakon Michael Karl Jakob freut sich schon auf die nächste Segnung: Am Sonntag, 10. Oktober, werden um 14 Uhr in St. Hedwig Tiere gesegnet.