Die „Fahr Rad Offensive“ Zuffenhausen fordert mehr Platz für Radwege. Der Stuttgarter Norden kommt im Gegensatz zur Innenstadt oft zu kurz, finden Dieter Kümmel und Peter Blum.

 

 

„Während der Corona-Pandemie habe ich viel mehr Menschen in Zuffenhausen Rad fahren sehen als zuvor“, sagt Dieter Kümmel. Als Mit-Initiator der Zuffenhäuser „Fahr Rad Offensive“ freue ihn diese Entwicklungen. Peter Blum, Sprecher der Initiative, pflichtet ihm bei: „Jetzt, da viele vom öffentlichen Nahverkehr und vom Auto aufs Rad umsteigen, sieht man: Es geht auch anders.“ Seine Hoffnung sei, dass die, die jetzt das Radeln für sich entdecken, zumindest diesen Sommer dabeibleiben. Als Mitglieder der ersten Stunde kämpfen Blum und Kümmel mit der Fahr Rad Offensive seit neun Jahren für einen Ausbau des Radnetzes im Stuttgarter Norden. Jedes Frühjahr holt die Initiative die „Critical Mass“ nach Zuffenhausen und auch der Radflohmarkt ist eine beliebte Tradition – beide Veranstaltungen wurden aufgrund von Corona abgesagt.

Doch schon jetzt blicken die Rad-Fans zuversichtlich aufs nächste Jahr. Dann nämlich feiern sie ihr zehnjähriges Jubiläum. „Wir haben schon viele Ideen. Was wir im Januar erstmals gemacht haben und was wir auf jeden Fall beibehalten werden, ist ein Vortragsabend“, verkündet Blum. „Das Thema des letzten Vortrags war ‚Radverkehr in den Niederlanden – was wir von unseren Nachbarn lernen können.’“ Die Zehntscheuer sei brechend voll gewesen, was zeige, dass die Vision vom Ausbau der Radwege auf ein breites Interesse stoße. Stolz ist die Offensive auch darauf, dass ihr Wunsch nach einer Radreparatursäule erfüllt wurde. An der Unterländer Straße können kaputte Drahtesel seit 2019 eigenständig repariert und Luft in die Reifen gepumpt werden. „Die Mühlen der Ämter mahlen langsam. Zwei Jahre lang haben wir uns für die Reparatursäule eingesetzt, bis unsere Forderung endlich Erfolg hatte“, bedauert Kümmel.

Es sei ihm unerklärlich, wieso im Radverkehr alles so schleppend vorangehe. „Vielleicht, weil Stuttgart eine Autostadt ist. Das Fahrrad ist zwar akzeptiert, aber der politische Wille, der nach vorne weist, fehlt.“ Seit Beginn kämpft die Initiative für die Öffnung diverser Einbahnstraßen für Radfahrer, bislang mäßig erfolgreich. Selbst das Aufstellen von Schildern ist ein Akt, an dem allein vier Ämter beteiligt sind. Blum schätzt, dass seit der Gründung der Initiative im Jahr 2011 rund 75 Forderungen gestellt wurden, von denen gerade einmal sechs umgesetzt worden sind. Trotzdem bleiben die Radler optimistisch: „Unser Anliegen ist es vor allem, ein Bewusstsein für die Thematik zu schaffen: Jeder, der auf dem Rad sitzt, ist ein Autofahrer weniger“, sagt Blum. „In Stuttgart konkurriert man mit Pkws um den verfügbaren Platz in der Stadt.“ Immer wieder nutzt die Initiative auch die Chance, auf gemeinsamen Rundfahrten mit Politikern zu evaluieren, an welchen Ecken und Enden Verbesserungsbedarf besteht. Für den 24. Juli ist eine Rundfahrt mit dem Verkehrsminister geplant – ob diese stattfindet, ist noch offen.

 

 

Fahr-Rad-Offensive: Mehr erfahren

Die Fahr-Rad-Offensive besteht aus einem Kern von zwölf Mitgliedern, 60 Menschen sind im Mailverteiler registriert und werden regelmäßig informiert. Drei Ziele hat sich die Initiative gesetzt, die sich als Lobby fürs Fahrradfahren versteht:

• Der Ausbau des Radwegnetzes

• Die Lärm- und Schadstoffbelastung Zuffenhausens durch den Autoverkehr soll durch einen höheren Anteil des Fahrradverkehrs verringert werden.

• Lücken und Mängel im Radwegnetz sollen beseitigt und damit Gefahren für die Verkehrsteilnehmer verringert oder vermieden werden. Die Attraktivität des Fahrradverkehrs kann dadurch erhöht werden. Auch die Zuffenhäuser „Zuffka“ wurde von Anfang an von der Initiative unterstützt.

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