Warenknappheit in Stuttgart: Unternehmen stellen sich aufgrund gestörter Lieferketten auf teils lange Wartezeiten ein. Trotz Erholungskurs der Wirtschaft bleibt die Unsicherheit in den Betrieben gegenwärtig.

 

 

Ob Endprodukte, Materialteile oder Verpackungsmaterial: Lieferengpässe und gestörte Lieferketten machen Industrie, Handwerk, Handel und Gastronomie in Baden-Württemberg und damit auch in der Landeshauptstadt Stuttgart zu schaffen. Zwar setze die baden-württembergische Wirtschaft auch im zweiten Halbjahr 2021 ihren Erholungskurs fort – das zeige die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK), an der sich 3570 Unternehmen aller Branchen und Betriebsgrößen im Südwesten beteiligt haben – der Aufschwung lässt aber noch auf sich warten.

Der Grund: Fachkräftemangel sowie gestörte Lieferketten. Letzterer Punkt trifft nicht nur die Industrie und verursacht dort Produktionsrückgänge bis hin zu kompletten Ausfällen – aktuellstes Beispiel ist die Automobilindustrie. Auch andere Branchen leiden massiv unter den Auswirkungen.

So verzögert sich die für November 2021 geplante Inbetriebnahme des Rosensteintunnels auf An­fang nächsten Jahres – das größte Straßenbauprojekt, das die Landeshauptstadt Stuttgart bisher an einem Stück durchgeführt hat. Das teilte die Stadt vor Kurzem mit. Grund für die Verzögerung sind Lieferengpässe bei verschiedenen Baumaterialien. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung des Rosensteintunnels. Leider werden wir durch die derzeit weltweit feststellbaren Lieferschwierigkeiten von Edelstahl, Kabeln und elektronischen Bauteilen ausgebremst“, erklärte der Technische Bürgermeister Dirk Thürnau. Diese Materialien würden für die betriebs- und sicherheitstechnische Ausstattung des rund 1,3 Kilometer langen Straßentunnels zwingend benötigt. Thürnau weiter: „Wir können erst dann einen konkreten Eröffnungstermin nennen, wenn die Betriebs- und Sicherheitstechnik eingebaut und getestet wurde.“

Tilo Kiess, erster Vorsitzender der Schreiner-Innung Stuttgart und Inhaber von Kiess Innenausbau in Stuttgart-Möhringen berichtet ebenfalls davon, dass Mitgliedsbetriebe von Lieferengpässen betroffen sind. „Die Lieferzeiten von Rohmaterial haben sich deutlich verlängert – das betrifft alles, was mit Holz zu tun hat, wie Holzwerkstoffe sowie Holz- und Fassadenplatten.“

Kiess erzählt zudem davon, dass Material zwar erhältlich wäre, aber die Preise stark angestiegen seien. Er spricht von Preiserhöhungen zwischen 30 und 100 Prozent. „Wenn also Aufträge ein halbes bis dreiviertel Jahr vorher zu Festpreisen abgeschlossen wurden und danach noch eine Preiserhöhung für Material hinzukommt, stößt das vor allem bei Privatkunden auf wenig Verständnis. Daher setzen die Betriebe auf völlige Transparenz und zeigen detailliert auf, wie der Preis zustande kommt. Demnach natürlich auch, wenn eventuell eine Neuberechnung erfolgen muss“, so Kiess. Er betont zudem, dass der Kunde – ob öffentlicher oder privater Auftraggeber – hauptsächlich die Dienstleistung bezahlen würde und dass die Materialkosten im Handwerk relativ gering seien.

„Die Auftragslage ist dennoch sehr gut, trotz gestiegener Materialpreise und der derzeitigen Verzögerungen. Die Zukunft sieht aus meiner Sicht dennoch langfristig gut für das Handwerk aus. Trotz des Krisenmodus aufgrund der Corona-Pandemie stehen die Zeichen auf Wachstum.“

 

Umfrage bei IHK

Die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammer­tages (BWIHK) finden Inter­essierte online unter: www.bw.ihk.de. Mehr zum Projekt Rosensteintunnel gibt es unter: https://rosensteintunnel.stuttgart.de und zur Schreiner-Innung Stuttgart auf: www.schreiner-innung-stuttgart.de