Der Jugendrat Sillenbuch will Holzverschlag umwidmen und von Altersgenossen wissen, was sie über ihren Wohnort denken.

 

 

Die Wände des hölzernen Unterstands am südlichen Rand des Sportgeländes des Turn- und Sportvereins Heumaden sind rundum mit bunten Graffiti besprüht. Ein unübersehbares Zeichen, dass die Jugendlichen den kleinen hölzernen und an einer Seite offenen Verschlag schon länger als ihren Treffpunkt ansehen. Die Mitglieder des Jugendrats Sillenbuch wollen nun, dass der Unterstand mit Bänken, die beim Sitzen vor Wind und Wetter schützen, als öffentlicher Jugendtreffpunkt gesehen wird. Der neue Jugendrat ist seit Februar im Amt. Elf Jugendräte und acht Stellvertreter setzen sich für die Interessen der mehr als 1000 Jugendlichen ein, die in Sillenbuch, Heumaden und Riedenberg leben und von denen immerhin über ein Drittel gewählt hatte.

Zur Sprecherin des Jugendrats wurde Anne Dabelstein ernannt. Die 18-Jährige hatte das Amt bereits im Vorgänger- Gremium inne und ist seit Februar 2018 außerdem Mitglied im gesamtstädtischen Jugendrat. Der Start in die zwei Jahre dauernde Amtsperiode wurde von der Corona-Pandemie erschwert. Bei den Sitzungen im Jugendhaus Sillenbuch, zuletzt am Montag, gibt es strenge Abstands- und Hygieneregeln. Den Jugendlichen wollen die gewählten Jugendvertreter allerdings demnächst im übertragenen Sinn auf den Zahn fühlen. „Wir starten eine Umfrage, in der es sowohl um das Thema Nachhaltigkeit geht wie auch darum, wie die Jugendlichen in Sillenbuch gesehen werden bzw. wie sie sich fühlen“, sagt Anne Dabelstein.

Gefragt wird nach Angeboten am Wohnort, ob es ausreichend Freiraum, Treffpunkte und Unterstützung für Jugendliche gibt, und nach den Wünschen an die Politik. Wissen wollen die Jugendvertreter außerdem, was für ihre Alters­genossen Nachhaltigkeit bedeutet und ob sie eine Rolle in ihrem Leben spielt und wenn, was sie tun, um nachhaltiger zu leben? Wie es mit dem Unterstand weitergeht, darin sind sich Anne Dabelstein und ihr Stellvertreter Felix Teichmann ziemlich sicher. „Bezirksvorsteher Hans Peter Klein steht unseren Anregungen immer recht offen gegenüber“, sagt die Sprecherin des Jugendrats. Der Standort am Rand des Sportgeländes wäre ein günstiger Treffpunkt. Schließlich genügt der alte Holzbau den Jugendlichen schon jetzt. „Es soll dort auch nichts passieren, keine Bewirtung, keine Veranstaltungen, aber wenn es regnet, stehen die Leute nicht im Regen“, erklärt Anne Dabelstein.

 

 

Jugendrat

Sillenbuch gehörte mit zu den ersten vier Stadtbezirken Stuttgarts, die einen Jugendrat installierten. Im Dezember 1995 formierte sich auf den Fildern erstmals eine Projektgruppe, weil sich nicht genügend Bewerber für einen kompletten Jugendrat fanden. Seitdem gab es in Sillenbuch, das mit Heumaden und Riedenberg einen Bezirk bildet, immer entweder einen Jugendrat oder eine Projektgruppe.