Wie sieht’s mit der Impfbereitschaft unter Senioren und Fachkräften in Pflegeeinrichtungen und im betreuten Wohnen aus? Die Redaktion hat in der Seniorenresidenz „Sillenbucher Markt“ nachgefragt.

 

 

In der Seniorenresidenz „Sillenbucher Markt“ des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) gab es positive Corona-Befunde und einige Todesfälle. Jetzt ist, wenn auch begrenzt, ein Impfstoff da. Die 40 Frauen und Männer in der stationären Pflege haben fast alle die erste Spritze erhalten. Die Bewohner der 110 betreuten Wohnungen warten noch auf einen Termin. Unter den Pflegefachkräften sei die Impfbereitschaft bei Weitem nicht so hoch, sagt Ellen Raiß, die Leiterin der stationären Pflegeeinrichtung. Das Haus am Sillenbucher Markt erwacht langsam wieder zum Leben. Nach längerer Quarantäne der gesamten Pflegestation dürfen wieder Besucher kommen, in reduzierter Zahl und nach Terminabsprache. Auch das gemeinsame Essen in Kleingruppen im Speisesaal ist wieder gestattet. „Alle sind froh über ein Stück Normalität“, beteuert Silke Aniels­ki, die Residenzleiterin. Doch die Angst vor dem Virus bleibt. „Dennoch haben sich nur 50 Prozent des Personals im stationären Bereich impfen lassen“, erklärt Silke Anielski. Die Einrichtung ist keine Ausnahme. Lars-Ejnar Sterley, der Landes­geschäftsführer des ASB Baden-Württemberg mit 70 Pflegeeinrichtungen im Süden der Republik, sieben davon in Bayern, bestätigt, dass sich die mangelnde Impfbereitschaft unter den Pflegefachkräften durch fast alle Häuser zieht. „Das hat mich überrascht.“

In 17 ASB-Einrichtungen sei das mobile Impfteam schon gewesen, berichtet der Landesgeschäftsführer. „Von 1076 Bewohnern haben sich 745 impfen lassen, das entspricht 65 Prozent. Bei den 775 Pflegefachkräften sind es 266, das sind nur 34 Prozent.“ Eine Umfrage unter den Beschäftigen hat ergeben, dass viele unsicher sind, wie sich der Impfstoff auf spätere Schwangerschaften auswirkt, berichtet Sterley. „Als zweitwichtigster Grund werden noch unbekannte Nebenwirkungen genannt, und am dritthäufigsten wurde argumentiert, dass die Impfung keine persönlichen Vorteile bringt.“ Auch bei Sven Schumacher, dem stellvertretenden Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs Leben und Wohnen, klingt heraus, dass man beim Personal gerne noch mehr Bereitschaft sehen würde. „Bei den Bewohnern ist die Impfquote mit 95 Prozent herausragend, und ich hoffe, dass der positive Trend mit steigender Impfbereitschaft auch unter den Pflegekräften weiter anhält.“

Die Senioren, die in Pflegeheimen leben, bekommen dank mobiler Impfteams die Spritzen vor Ort gesetzt. Ebenso die Bewohner im betreuten Wohnen, die an ein Pflegeheim angekoppelt sind. Anders verhält es sich in Einrichtungen des betreuten Wohnens. „Die Häuser und Bewohner müssen selbst schauen, wie sie einen Termin in einem Impfzentrum bekommen“, sagt Lars-Ejnar Sterley. Dass die Online-Anmeldungen Senioren vor Pro­bleme stellen, weiß der ASB-Landesgeschäftsführer. „Meine Mutter ist 75 Jahre, hat einen Instagram-Account und einen eigenen Blog, aber sie hätte es nicht geschafft, sich einen Termin zu buchen.“ In der ASB-Seniorenresidenz „Kastanienhof“ in Möhringen mit 42 Apartments gibt es praktische Hilfe. „Wer keine Kinder oder Enkel hat, für den buchen wir einen Termin, obwohl das nicht zu unseren Aufgaben gehört“, sagt die stellvertretende Pflegedienstleiterin Maria Marquez.

 

 

Rund um Impf-Termine und Unterstützung

Die mobilen Impfteams des Klinikums übernehmen die Alten- und Pflegeheime in Stuttgart, den Kreisen Esslingen und Böblingen, das Robert-Bosch-Krankenhaus versorgt unter anderem den Rems-Murr-Kreis. Auf der Website www.impfterminservice.de besteht die Möglichkeit, selbst einen Termin in einem der Impfzentren in Stuttgart oder in den Kreisen zu buchen. Voraussetzungen sind eine eigene E-Mail-Adresse und die Möglichkeit, eine SMS zu empfangen. Wie im Bericht angesprochen ist das Finden eines Termins nicht einfach. Aber es gibt sie. Der Nachbarschaftshilfeverein Zuhause leben e. V. bietet Impfwilligen über 80 Jahren, die keine Angehörigen haben, Hilfe bei Terminvereinbarung und Transport an. Dringend sucht der Verein Ehrenamtliche, die bei der Terminsuche unterstützen können. Kontakt für Impfwillige und Helfer beim Verein: montags bis freitags, 8.30 bis 16.30 Uhr, 0711 / 67 44 58 51